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03. Juni 2002, 13:50 Uhr

Die Malik-Kolumne

Führungsstil ist nicht wichtig

Von Fredmund Malik

Sollten Manager autoritär führen oder kooperativ, demagogisch oder demokratisch? Es gibt keine Korrelation zwischen Stil und Ergebnissen, meint Fredmund Malik. Denn Führungskräfte sollten vor allem eines: Resultate erzielen.

Management-Guru:   Fredmund Malik
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Management-Guru:
Fredmund Malik

Die Führungsstil-Problematik gehört zu den am meisten diskutierten Fragen der letzten 30 Jahre. Auf kaum einem anderen Gebiet wurde so viel empirische Forschung betrieben, und es gibt vermutlich keinen Manager, der sich mit diesem Thema nicht beschäftigt hätte. Es ist ein Standardthema jeder Führungsausbildung, weil alle es für wichtig halten. Im Gegensatz dazu halte ich es für ziemlich unwichtig. Für diese zum Mainstream gänzlich konträre Auffassung habe ich zwei Gründe.

Erstens, es gibt keine Korrelation zwischen Stil und Ergebnissen. Ich kenne Manager, die einen sehr kooperativen Führungsstil pflegen und gleichzeitig ausgezeichnete Resultate vorlegen können. Dass dies eine optimale Situation ist, ist klar und braucht nicht weiter kommentiert zu werden.

Andererseits gibt es Führungskräfte, die autoritär führen und miserable Ergebnisse haben. Diese Situation ist auch klar: sie ist untragbar. Von solchen Leuten muss man sich trennen. Diese beiden Varianten geben keinen Anlass zu Diskussionen. So einfach liegen die Dinge aber meistens nicht.

Management ist der Beruf des Resultate-Erzielens

Ich kenne auch Leute, die sehr kooperativ führen. Sie sind angenehm und kultiviert, ich würde mit ihnen jederzeit gerne in den Urlaub fahren. Das Problem aber ist: Sie haben leider nie Resultate vorzuweisen. Das gibt in meiner Beurteilung zwar keine zwei, wohl aber ein Minus.

Und dann kenne ich Manager, die direktiv und ziemlich strikt führen und daher landläufig als autoritär gelten. Aber sie können Ergebnisse vorweisen - und dies ergibt auf meiner Skala zwar keine zwei, aber doch ein Plus. Vor diese beiden Varianten gestellt, entscheide ich mich für den zweiten Typus.

Was zählt, sind die Ergebnisse und nicht der Stil. Management ist der Beruf des Resultate-Erzielens. Wenn es auf kooperativem Wege geht, umso besser. Wenn nicht, dann müssen die Resultate höher gewichtet werden als der Stil.

Warum elementare Manieren entscheidend sind

Mein zweites Argument ist: Nicht Stil, sondern etwas ganz anderes ist wichtig. Ein wesentlicher Aspekt kommt leider in der Managementausbildung kaum zur Sprache: Wirklich entscheidend sind elementare Manieren. Man kann es auch Anstand oder Kinderstube nennen.

Was ich meine, sind nicht hochgezüchtete Höflichkeitsrituale, sondern - wie ich klar sage - elementare Manieren. Man braucht heute den Damen nicht mehr die Hände zu küssen – es sei denn, man arbeitet in Wien. In Frankfurt erwartet das niemand, und jede New Yorkerin wird uns wegen sexueller Belästigung vor den Richter bringen, wenn man auch nur den Versuch dazu unternimmt.

Was ich meine, sind nicht Protokoll und Etikette. Ob einer Krustentiere protokollgerecht essen kann, ist selten erfolgsentscheidend, obwohl ich nicht davon abraten will, auch das zu lernen.

Erziehung tut not

Es geht um sehr viel schlichtere Dinge. Zum Beispiel darum, dass man gelegentlich "bitte" und "danke" sagt - auch zu seinen Mitarbeitern. Darum, dass man die Leute ausreden lässt, ihnen zuhört, ihnen nicht ins Wort fällt, sie nicht anschreit, seine Launen nicht zeigt usw.

Das alles hat mit Stil nicht das geringste zu tun. Es sind Dinge, die man zu Hause lernt; und wenn man es als Führungskraft mit Leuten zu tun hat, die das offenbar dort nicht gelernt haben, dann muss man es am Arbeitsplatz von ihnen einfach verlangen und darf keine Kompromisse machen – dann muss man sie eben erziehen, nicht in Stil ausbilden.

Wenn Menschen sich treffen, entsteht Reibung

In der Physik gibt es ein Naturgesetz. Es sagt: Wenn feste Körper sich treffen, entsteht Reibung. Organisationen sind Orte, wo feste Körper, nämlich Menschen, sich treffen - und daher entsteht Reibung. Es entstehen Konflikte. Manieren sind nun nicht der Treibstoff, nicht die Energie, die eine Organisation voranbringen. Sie sind aber der "Schmierstoff", der die Reibung erträglich macht.

Menschen sind eckig und kantig; und keine Organisation kann so gut sein, dass nicht Konflikte entstünden, genau so wenig, wie man einen Motor so konstruieren kann, dass es keine Reibung gibt. Elementare Manieren sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen einigermaßen vernünftig zusammen arbeiten können. Sie sind viel billiger, als jede Führungsstil-Ausbildung oder eine Reorganisation. Sie sind auch viel wirksamer. Und man kann sie schneller etablieren, als alles andere.

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