Von Christoph Stehr
Eines Tages saß Molyneux in seinem Büro im englischen Guildford in den Sessel zurückgelehnt, die Augen geschlossen, Musik auf dem Kopfhörer, in Gedanken tief versunken in die Action-Welt eines seiner Spiele. Da merkte er, wie sich der Sessel bewegte. Er machte die Augen auf und sah die Frau, die jeden Monat vorbeikam und die Sitzposition korrigierte, damit die Guru-Bandscheiben bloß keinen Schaden nahmen.
Molyneux wurde schlagartig klar, dass er bei Microsoft
in einem "goldenen Käfig" saß, wie er es später in einem Interview genannt hat. Der kostbare Vogel breitete die Flügel aus und flog davon. Das war im März 2012, inzwischen arbeitet Molyneux in seinem eigenen Studio.
Schönes Ruhekissen
Nach Angaben der US-Vergütungsberatung Payscale zahlt Microsoft
mit die höchsten Gehälter in den USA. IT-Spezialisten ohne Berufserfahrung können mit 74.500 US-Dollar rechnen. Wer zehn Jahre Berufserfahrung hat, verdient knapp 114.000 US-Dollar. Die Softwareschmiede legt durchschnittlich 16 Prozent auf die marktübliche Vergütung drauf. Kein Wunder, dass Microsoft-Mitarbeiter in den Bewertungsportalen im Internet sehr häufig die Bestnote für ihren Arbeitgeber zücken.
Ein Top-Gehalt ist ein schönes Ruhekissen, auf dem viele Träume wahr werden - mein Haus, mein Auto, mein Boot. Das böse Erwachen folgt bei der Suche nach einem neuen Schlafplatz.
"Wir haben jeden Monat in unserer Coaching-Praxis mindestens einen Fall, bei dem jemand im goldenen Käfig festsitzt", sagt Jürgen Hesse, Gründer des bundesweit tätigen Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. "Das sind hochqualifizierte Führungskräfte, die nach dem Studium mit vielleicht 45.000 Euro eingestiegen waren, drei, vier Jahre später nach ein, zwei Wechseln bei 70.000 bis 90.000 lagen, schnell die 100.000 geknackt haben und heute als Bereichsleiter oder CEO zwischen 200 und 250.000 verdienen. Wenn die, aus welchen Gründen auch immer, wechseln wollen oder müssen, wird es sehr schwierig."
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