Von Arvid Kaiser
Das Rezessionsjahr 2009 habe der jungen Branche einen Umsatzknick beschert - nicht, was man von Krisenprofiteuren im Schlepptau von Insolvenzverwaltern oder Geierfonds erwarten würde. Wenn die Stunde der Sanierer schlägt, brechen die bedeutenderen, auf Wachstum ausgerichteten Projekte weg. Als häufigsten Grund für den Einsatz von Interimsmanagern nennt der DDIM die Prozessoptimierung.
"Unsere Manager tun genau das, wovon sie schon bewiesen haben, dass sie es besonders gut können", sagt Rainer Nagel, Managing Partner von Atreus, dem nach eigenen Angaben führenden Vermittler von Interimsmanagern in Deutschland. "Wir glauben nicht sehr an die Universaleignung eines Managers für alles. Manche sind besser in Krisen, andere in Wachstumsphasen, dritte beim Konsolidieren." Atreus brauche "Leute, die selber saniert haben, Auslandsfilialen aufgebaut, Produktionswerke eröffnet oder geschlossen".
Nagel sagt, man sehe sich auch als Alternative zu Unternehmensberatern. "Unser Ansatz ist ein anderer, nämlich die Veränderungen aus dem Unternehmen heraus zu managen", sagt der Atreus-Manager. "Wir werden Teil des Unternehmens."
Vorbild Niederlande, das Mekka der Zeitarbeit
Auch der Branchenverband DDIM rechnet damit, dass Interimsmanager zunehmend den Beratungsfirmen Marktanteile abjagen, weil die Unternehmen stärker auf tatkräftige Unterstützung erfahrener Praktiker setzten statt nur auf wohlfeile Ratschläge und Konzepte. Die Branche rechnet mit weiterem starken Wachstum.
"Ich wüsste nicht, warum die Dienstleistung Interimsmanagement nicht ein Marktvolumen von drei bis fünf Milliarden Euro erreichen sollte", sagt Atreus-Mann Nagel. Derzeit summierten sich die Honorare der Manager auf Zeit höchstens auf eine Milliarde jährlich. Nagel verweist auf die Niederlande, wo bereits rund 40.000 Interimsmanager aktiv seien - gegenüber nicht einmal 10.000 in Deutschland.
Auffällig ist jedenfalls die Zunahme der auf Zeit vergebenen Topjobs an der Unternehmensspitze. Auch an Gerhard Barths alter Wirkungsstätte: Versatel, inzwischen von dem Finanzinvestor KKR übernommen, hat Barths CIO-Nachfolger Joachim Bellinghoven per Oktober zum Vorstandschef befördert. Auf Zeit, versteht sich.
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