Beste Arbeitgeber
Was Bewerber wirklich wollen
Von Klaus Werle
ddp
In der Gunst der Bewerber ganz vorn: Arbeitgeber Audi
2. Teil:
"Maskuline" und "feminine" Arbeitgeber, Auf- und Absteiger im Überblick
Die Affinität zu den jeweiligen Produkten scheint hier nach wie vor eine große Rolle zu spielen, Emanzipation hin oder her. Weniger ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Ingenieuren, wobei die technikbegeisterten Damen offenbar einen stärkeren Hang zu forschungsorientierten Arbeitgebern wie der Max-Planck-Gesellschaft haben als die Herren der Schöpfung.
Doch wer als Unternehmen glaubt, ein schickes Auto oder ein klingender Name allein mache für die Absolventen schon attraktiv, sieht sich getäuscht. Tatsächlich prüfen die Absolventen genau, wer zu ihnen passt und wo sie ihre Ansprüche an den Job am ehesten verwirklichen können. Für die angehenden Ingenieure etwa steht dabei an erster Stelle die "Attraktivität der Arbeitsaufgaben", gefolgt von "Kollegialität" "persönlicher Entwickung", "Wertschätzung der Mitarbeiter" und "Weiterbildungsmöglichkeiten". Ähnlich sehen es die Wirtschaftswissenschaftler - allerdings sind ihnen "Karriereperspektiven im Unternehmen" wichtiger als Weiterbildung .
Das im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegene Selbstbewusstsein der Absolventen spiegelt sich allerdings noch nicht im sogenannten "Optimismus-Index" nieder, den das Beratungsunternehmen Trendence neben den Rankings unter den Studenten erhebt. Der Index fiel zum zweiten Mal in Folge gegenüber dem Boomjahr 2008 ab. Allerdings bildet der Index lediglich die Erwartungen der Studenten hinsichtlich der Zahl der Bewerbungen sowie der Dauer des Bewerbungsprozesses ab. Er ist kein Indikator für die Zuversicht, am Ende der Bewerbungsphase auch tatsächlich einen Job zu haben. In diesem Punkt nämlich haben sich die Erwartungen deutlich aufgehellt: Sagten 2009 noch mehr als die Hälfte der Ingenieure, es werde schwer sein, eine Arbeitsstelle zu bekommen, glauben das in diesem Jahr nur noch 36 Prozent. Auch unter den Wirtschaftswissenschaftlern hat sich der Anteil der Pessimisten von fast zwei Dritteln auf knapp 48 Prozent reduziert. Ebenso ist unter ihnen der Anteil derjenigen, die sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen, von 47,5 auf 40 Prozent gesunken.
Ein Widerspruch zum "Optimismus-Index" ist das nicht - ganz im Gegenteil. Die Absolventen wissen, dass die Unternehmen derzeit bewerbermäßig aus dem Vollen schöpfen und sich ihre Kandidaten genau aussuchen können. Sie gehen also davon aus, dass sich der Bewerbungsprozess in die Länge ziehen wird - auch weil sie bei ihren eigenen Erwartungen nicht allzu viele Abstriche machen wollen. Gleichzeitig aber wissen sie um ihre Leistungen, und um die Macht, die ihnen die demographische Entwicklung über Kurz oder Lang in die Hände spielen wird. So sind sie bereit, den Bewerbungsmarathon zu absolvieren - und zuversichtlich, dass am Ende dann auch der Traumjob steht. Am besten beim Wunscharbeitgeber.
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