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20.05.2010
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Die tägliche Wirtschaftsglosse

Gute Fragen, schlechte Antworten

Von Eva Müller

Nichts ist erniedrigender als für eine gute Frage gelobt und dann mit aussagebefreitem Geschwätz abgespeist zu werden. Denn am Ende des Tages kommt es nur auf die richtigen Antworten an.

Heute mal wieder ein dringender Aufruf in eigener Sache: Bitte, bitte, sehr geehrte Damen und Herren Vorstände, Verbandschefs, Spitzenpolitiker, Geschäftsführer, Vereinsvorsitzende - sehen Sie in Zukunft davon ab, die Fragen von uns Journalisten erst einmal zu loben. Nie, wirklich nie wieder möchte ich bei einer Pressekonferenz als erste Reaktion auf meine Frage hören: Gute Frage! Ich könnte sonst wirklich gereizt reagieren. Vielleicht sogar mit einem gemeinen Text.

Eva Müller

Eva Müller

Ich weiß, Sie haben es auch schwer. Erst einen Vortrag halten müssen und dann auch noch die Fragerunde. Und dann diese Nachhakerei, immer geht es um Zahlen, Daten, Fakten. Da müssen Sie natürlich in jedem Fall erst einmal Zeit gewinnen, vielleicht sogar Zeit schinden, damit die schrecklichen 15 Minuten, die für die Q&A-Session im straffen Veranstaltungsplan vorgesehen sind, irgendwie schnell vorübergehen. Sie müssen im Geiste kurz prüfen, ob in der Frage vielleicht irgend eine Hinterlist versteckt ist oder Ihre Antwort gar börsenrelevante Informationen enthalten könnte. Aber diese Schrecksekunden dürfen Sie in Zukunft gerne schweigend verstreichen lassen. Überlegen Sie in Ruhe.

Und dann geben Sie einfach eine Antwort. Und zwar am besten eine mit Inhalt gefüllte. Am allerliebsten sogar eine, deren Inhalt entfernt einen Bezug zur Frage herstellt. Und ewig dankbar wäre ich Ihnen für ein paar Worte, die tatsächlich die Frage beantworten.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin

Jeden Freitag gegen 15 Uhr eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Hier zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Frage: Wie wirkt sich die derzeitige Wirtschaftskrise auf Ihr Geschäft mit Greentech aus?

Antwort: Die Nachfrage nach Umwelttechnologien ist auch in der Krise hoch. Deshalb erwarten wir für dieses Jahr Wachstumsraten in Höhe von (hier ihre Zahl) Prozent.

Das kann doch nicht so schwer sein! Warum folgte etwa in dieser Woche auf einer Pressekonferenz der Siemens AG zum Thema Nachhaltigkeit und Innovationen auf diese simple Frage erst einmal das - in diesem Fall in Überdosis verwendete - "gute Frage"? Und dann nur Geschwurbel über die "gute Aufstellung" mit der Siemens "gut unterwegs" sei.

Hochverehrter Vorstand, wenn Sie lieber nicht sagen wollen, wie gut oder mies ihr Geschäft mit der Nachhaltigkeit läuft, dann berufen Sie eben einfach keine Pressekonferenz zu diesem Thema ein. Wir Journalisten sind Ihnen da wirklich nicht böse. Wir haben wirklich genug zu tun und für eine warme Mahlzeit reicht es uns auch in diesen harten Zeiten immer noch.

Etwas ganz anderes ist es, wenn wir Sie als Funktionsträger unerwünscht mit unseren Fragen traktieren. So rief ich unlängst im Bundesforschungsministerium an, um zu erkunden, wie sich denn der Etat von rund zwölf Milliarden Euro für die Hightech-Initiative der Bundesregierung so aufteile. Wohlgemerkt, Geld das bereits in den Jahren 2006 bis 2009 ausgegeben worden ist. Es folgte ein Gespräch mit der zuständigen Referatsleiterin, in dem wir perfekt aneinander vorbeiredeten. Meine freundliche Gesprächspartnerin erklärte mir wortreich etwas von "Leistungsplansystematiken" und "Umrechnungsmodalitäten". Ich fragte beharrlich nach "Geschäftsberichten" und "haben Sie denn kein SAP-System, aus dem Sie die Zahlen einfach rauslassen"? Meine nervige Fragerei endete irgendwann von Seiten der Ministerialbeamtin mit den klaren Worten: "Das sage ich Ihnen aber nicht". Na, das war doch mal eine klare Antwort. Vielen Dank.

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