Reykjavik - Wie der Rundfunksender RUV in Reykjavik berichtete, soll der Ex-Chef der früheren Kaupthing-Bank, Hreidar Már Sigurdsson, am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden. Ihm werden Unterschlagung und Verstöße gegen das Aktiengesetz vorgeworfen. Ebenfalls festgenommen wurde der frühere Leiter der Luxemburger Kaupthing-Niederlassung, Magnus Gudmundsson.
Sigurdsson und Gudmundsson würden auf einer Polizeiwache in der Hauptstadt Reykjavik festgehalten, hieß es in Medienberichten. Zuvor hatte Staatsanwalt Olafur Hauksson mitgeteilt, im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Zusammenbruch des isländischen Bankensystems im Herbst 2008 sei ein Verdächtiger festgenommen worden. Dieser sei zuvor den ganzen Vormittag befragt worden. Einen Namen nannte der Staatsanwalt nicht. Er beantragte nach eigenen Angaben zwei Wochen Untersuchungshaft für den Verdächtigen. Bei den Ermittlungen gehe es unter anderem um Wirtschaftskriminalität und Verstoß gegen die Handelssicherheitsgesetze.
Der isländische Finanzsektor war im Herbst 2008 mit der Pleite gleich mehrerer Großbanken im Sog der weltweiten Finanzkrise zusammengebrochen. Die größten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir konnten nur durch Verstaatlichung vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Ihre Schulden betrugen das Zehnfache der jährlichen Wirtschaftsleistung der Atlantikinsel. In der Folge verlor die isländische Krone massiv an Wert, wodurch zahlreiche der 320.000 Einwohner des Landes ihre Ersparnisse verloren. Zudem stiegen Inflation und Arbeitslosigkeit drastisch an, und die Regierung musste angesichts massiver Proteste der Bevölkerung zurücktreten.
Kurz vor dem Kollaps wurden noch Milliardenkredite ohen Sicherheiten an Eigner vergeben. In Deutschland schlossen die Behörden eine Kaupthing-Tochter mit Einlagen über 300 Millionen Euro auf Hochzinskonten. Der größte Teil der betroffenen 34.000 Kunden hat sein Geld zurückerhalten.
Bislang war noch kein Manager der drei zusammengebrochenen Banken festgenommen worden. Sigurdsson hatte die Kaupthing-Bank seit 2003 bis zu ihrer Verstaatlichung 2008 geleitet. Ihm wird vorgeworfen, den Hauptaktionären der Bank und ihren führenden Managern zu viel Geld geliehen zu haben. Sigurdsson und Gudmundsson arbeiten derzeit in Luxemburg als Berater. Dazu hatten sie mit anderen früheren Kaupthing-Kollegen die Firma Consolium gegründet.
Ein kürzlich vorgestellter Untersuchungsbericht warf der damaligen Regierung und den Aufsichtsbehörden Versagen in der Bankenkrise vor. Zudem machte der Bericht das rasche Anwachsen der isländischen Banken in den Jahren zuvor für das Platzen der Finanzblase verantwortlich. Auch die Führung der drei größten Banken des Landes, die in sieben Jahren vor ihrem Zusammenbruch um das Zwanzigfache gewachsen seien, habe ihre Macht missbraucht.
manager magazin mit Material von dpa und afp
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