München - Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen früheren Bereichsvorstand des Unternehmens und seinen damaligen Kollegen. Die beiden 55 Jahre alten Männer sind wegen Untreue und Beihilfe zur Bestechung angeklagt, wie das Oberlandesgericht München am Mittwoch mitteilte.
Die ehemaligen Manager waren in der früheren Kommunikationssparte von Siemens
tätig, in der der Skandal seinen Anfang genommen haben soll. Dem damaligen Bereichsvorstand wird unter anderem vorgeworfen, einen Untergebenen mit der Abwicklung dubioser Zahlungen beauftragt zu haben. Für den am kommenden Montag beginnenden Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt.
Im größten Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte geht es um rund 1,3 Milliarden Euro. Das Geld soll über Tarnfirmen und fingierte Beraterverträge geflossen und zur Erlangung von Auslandsaufträgen eingesetzt worden sein sollen. Der ehemalige Bereichsvorstand soll Schmiergeld-Zahlungen an politische Amtsträger und Geschäftsleute in Nigeria und Russland gedeckt haben.
Im Jahr 2008 hatte es bereits zwei Strafprozesse gegen einen einstigen Untergebenen sowie gegen zwei Helfer gegeben, die Barauszahlungen veranlasst und das Geld weitergereicht hatten. Der frühere Bereichsvorstand ist der bisher hochrangigste Ex-Manager von Siemens, der sich vor Gericht verantworten muss. Der zweite Angeklagte, damals Leiter des Rechnungswesens der Sparte, soll ebenfalls in die Zahlungen eingeweiht gewesen sein.
Nach langem Tauziehen einigte sich Siemens Ende 2009 mit dem Großteil der einstigen Führungsspitze um Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer auf Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe. Gegen den früheren Zentralvorstand Thomas Ganswindt erhob die Staatsanwaltschaft München dagegen Anklage, unter anderem wegen Korruption. Die gerichtliche Aufarbeitung des Schmiergeld-Skandals dürfte noch Jahre dauern.
Das Landgericht will kurzen Prozess machen: Das Urteil soll schon am dritten Verhandlungstag am 20. April verkündet werden. Verteidiger Steffen Ufer sagte, er rechne mit Bewährungsstrafen.
Die Siemens-Affäre war im November 2006 mit einer Großrazzia ins Rollen gekommen. Staatsanwälte und interne Ermittler deckten dubiose Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro auf - darunter 449 Millionen Euro bei der Kommunikationssparte COM. Die Affäre hat Siemens samt der Kosten zur internen Aufklärung und einer Kartellstrafe rund 2,5 Milliarden Euro gekostet.
manager-magazin.de mit Material von dpa-afx
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