20.04.2010
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Führungskräfte-Coaching

"Manager werden zu rasch ausgetauscht"

Von Eva Buchhorn

3. Teil: "Wo steht er heute, wo will er noch hin, was hindert ihn?"

mm: Wie kommen die Manager zu Ihnen? Wer zahlt?

Siegle-Kvarnström: Ein Drittel meiner Kandidaten kommt auf Rechnung des Unternehmens, die meisten zahlen es aus der eigenen Tasche. Oft ist nicht einmal die Sekretärin eingeweiht. Ein paar Mal hatte ich den Eindruck, dass ein Topmanager zunächst einen Mitarbeiter zu mir ins Coaching schickte, der sozusagen das Terrain sondieren sollte. Etwas später kam der Chef dann selbst.

mm: Wie läuft der Coaching-Prozess ab?

Siegle-Kvarnström: Das ist individuell ganz unterschiedlich. Mit manchen arbeitet man im Wochentakt, andere trifft man alle vier bis sechs Wochen. Die intensive Phase geht meistens über ein halbes Jahr, aber auch danach bleiben wir regelmäßig in Kontakt.

mm: Welche Fragen werden typischerweise bearbeitet?

Siegle-Kvarnström: Da gibt es eine große Bandbreite. Zu mir kommt der frisch beförderte Jungmanager, der Schwierigkeiten hat, sich in einem Team ein Standing zu verschaffen. Es kommt der an sich erfahrene Manager, der in der Krise plötzlich unter immensen Erfolgsdruck geraten ist und damit nicht fertig wird. Es kommt die Führungskraft, die ein wichtiges Team zu besetzen hat und sich mit einem Sparringspartner beraten will, welche menschlichen und fachlichen Kompetenzen sie an Bord holen sollte. Oder es kommt jemand, der eine persönliche Standortanalyse möchte: Wo steht er heute, wo will er noch hin, was hindert ihn? Wieder andere lassen sich beraten, weil sie in ihrer Firma oder ihrer Position unglücklich sind. Darüber hinaus haben auch Eigentümer Fragen dazu, wie sie mit ihrem Vorstandsvorsitzenden umgehen.

mm: Wie viele wechseln am Ende des Coachings den Job?

Siegle-Kvarnström: Ziel des Coachings ist es, jemanden auf einer Position zu etablieren, zu halten und weiterzuentwickeln. Viele Kandidaten verspüren natürlich den Impuls, sich umzuorientieren, wenn es im Job nicht so läuft. Mal abgesehen davon, dass das in der Krise nicht unbedingt leichter geworden ist, meine ich, dass viele Jobwechsel nicht nötig wären. Etliche Manager werden zu rasch ausgetauscht.

mm: Was wiederum das Geschäft der Personalberater belebt. Welche Fälle meinen Sie?

Siegle-Kvarnström: Wenn zum Beispiel in einem Unternehmen dreimal kurz nacheinander der CFO gehen muss, dann kann das ja nicht nur am einzelnen Manager liegen, sondern muss auch in seinem Umfeld, also auf Vorstands- oder Aufsichtsratsebene, begründet sein. Dann muss man sich das System anschauen und versuchen, hier nachhaltige Lösungen anzustoßen.

mm: Wenn das System das hören will.

Siegle-Kvarnström: Klar, in solchen Fällen müssen der Aufsichtsrat oder der Vorgesetzte kooperieren und sich meine Analyse anhören.

mm: Hat schon mal ein Klient das Coaching bei Ihnen abgebrochen?

Siegle-Kvarnström: Sie meinen, weil ich ihm zu viel zugemutet habe? Bisher nicht. Aber es gibt Themen, bei denen ich von mir aus den Coaching-Prozess beenden muss. Für die Beratung bei Ehe- oder Suchtproblemen etwa bin ich nicht ausgebildet. An solche Themen kommt man im Coaching leider öfter, als einem lieb ist.

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