Berlin - Der Chemiemanager Utz-Hellmuth Felcht will als künftiger Chefkontrolleur der Deutschen Bahn die Kunden wieder stärker in den Vordergrund stellen. "Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Qualität", forderte Felcht bei seiner Vorstellung durch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch in Berlin.
Dies müsse aber in wirtschaftlich erfolgreicher Form geschehen. "Erst dann kann man wieder an Dinge wie einen Börsengang denken." Er wolle in die Rolle des Trainers für das Unternehmen rutschen, sagte Felcht. Ramsauer sei als Vertreter des Eigentümers im Fußballbild dann der Clubbesitzer, sagte Felcht.
Er habe bei einem Gespräch mit Konzern-Chef Rüdiger Grube bei der Bahn keinen "Mangelzustand" ausmachen könne. Die Frage sei jetzt aber, ob die Schwerpunkte richtig gesetzt seien.
Die Bahn hatte zuletzt wegen massiver Probleme etwa bei der Tochter S-Bahn-Berlin für negative Schlagzeilen gesorgt. Technische Schwierigkeiten im Winter hatte zudem auch auf den Fernstrecken zu Ausfällen und Verspätungen geführt.
Felcht soll in zwei Wochen als neuer Bahn-Aufsichtsratschef Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller ablösen. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch die Neubesetzung bei dem Staatsunternehmen.
Felcht und Ramsauer kennen sich seit Jahren. Felcht war damals Chef des bayerischen Unternehmens SKW Trostberg. Später übernahm er die Führung des Chemieunternehmens Degussa. Dort überwarf er sich mit Werner Müller, der damals seinen Aufsichtsrat führte.
"Die Chemie zwischen uns beiden hat immer gestimmt und sie stimmt weiter", sagte Ramsauer zur Wahl des 63-jährigen Felcht. Man sei sich in den wichtigen Leitlinien für die Bahn in den nächsten Jahren einig. Felcht ließ allerdings offen, wie die Bahn künftig aufgebaut sein soll. In Union und FDP gibt es Bestrebungen, das Schienennetz aus dem Konzern zu lösen. Auf einem unabhängigen Netz könne ohne Behinderungen mehr Wettbewerb zwischen Bahnen stattfinden, was zu mehr Verkehr auf der Schiene führe.
Unterstützung für diese Position wird aus jüngsten Entscheidungen der Bundesnetzagentur gezogen, die der Bahn Diskriminierung der Konkurrenten bei der Nutzung von Schienen und Bahnhöfen vorgeworfen hat. "Da habe ich noch keine Linie", sagte Felcht. Er müsse sich dies erst in Ruhe anschauen. Bahnchef Grube lehnt eine Trennung vom Netz ab. In dieser Kernfrage der Bahnpolitik hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt massiven Streit zwischen Aufsichtsratschefs, Konzernführung und Politik gegeben.
manager magazin mit Material von reuters
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