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11.03.2010
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Innovationen

"Mitarbeiter müssen rumspinnen dürfen"

Von Jochen Eversmeier

4. Teil: "Unsinnige Ideen setzen oft Kreativität frei"

mm: Gibt es Techniken, von denen Sie abraten? Die womöglich sogar schädlich sind?

Kürsteiner: Mit der unpassenden Technik vergeudet man wertvolle Zeit. Noch gefährlicher ist allerdings, einen Ideen-Workshop durchzuführen, ohne sich vorher genau zu überlegen, was man damit erreichen möchte. Beachtet man dies nicht, begibt man sich auf unsicheres Terrain.

mm: In welcher Hinsicht?

Kürsteiner: Wenn es nicht wirklich ernsthaft gewünscht ist, alte Produkte, Wege und Strukturen auch zu verlassen, dann sollte man lieber keine Ideen einfordern. Ein Beispiel: Talkyoo, ein Anbieter von Telefonkonferenzen, bietet seine Dienste über ein umgedrehtes Vertriebsmodell an. Man kann den Service nutzen und anschließend zahlen, was man möchte. Nach der dritten Telefonkonferenz mit dem Talkyoo-System erhält der Nutzer per E-Mail einen Vergleich darüber, was der Dienst bei Telekom und Co. gekostet hätte, und die Bitte um eine Spende.

Wenn man ein solches Modell mit Vertriebsleuten diskutiert, dann fällt es den meisten sehr schwer locker zu bleiben. Die denken verständlicherweise sofort an den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Deshalb muss sich die Unternehmensleitung genau überlegen, mit welchen Personen aus welchen Bereichen innovative Prozesse angestoßen werden können.

mm: Was kann noch schiefgehen?

Kürsteiner: Als Teilnehmer in einem Workshop habe ich einmal erlebt, dass während der Brainstorming-Phase jemand vorschlug, eine ganze Abteilung abzuschaffen, was dazu führte, dass einzelne Mitarbeiter dieser Abteilung sehr entrüstet waren. Der Workshop-Leiter sollte also stets darauf achten, dass die Beteiligten die Ideen während der Sammelphase nur als Inspirationen und nicht als beschlossene Maßnahmen verstehen. Scheinbar unsinnige Ideen setzen oftmals Kreativität frei und führen dann zu realisierbaren guten Innovationen.

mm: Ein Beispiel bitte.

Kürsteiner: Jörg Schlaich, der Bauingenieur des berühmten Olympiadachs in München, fand die Idee des Architekten Frei Otto, ein hyperparaboloides Dach ohne Außenstützen für ein Schwimmbad zu bauen, zunächst unsinnig und nicht realisierbar. Der Hartnäckigkeit Ottos ist es zu verdanken, dass Schlaich schließlich einen Fehler in der Statikbibel fand und das Dach des Schwimmbads und später auch das bekannte Olympiadach realisierte. Vermeintlich unsinnige und nicht realisierbare Ideen können also dazu führen, dass man schließlich zu bahnbrechenden Innovationen kommt.

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