Berlin - Der Leiter des pharmakritischen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Peter Sawicki, muss seinen Posten räumen. Der Vertrag des 52-jährigen Wissenschaftlers laufe zum 31. August aus, teilten Vorstand und Stiftungsrat des Instituts am Freitag in Berlin mit. Die "hervorragenden inhaltlichen Leistungen des Instituts" sollten nicht mit Diskussionen um ordnungsgemäße Verwaltungsabläufe belastet werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Dienstwagenaffäre? Das sei nicht der wahre Grund, warum Sawicki gehen muss, sagen Kritiker der Personalie. Der Vorstand des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und kritische Arzneimittelforscher war der Pharmabranche ein Dorn im Auge. Jetzt wird sein Vertrag nicht verlängert.
Laut einem Prüfbericht hat der Mediziner Dienstwagen geleast, ohne zuvor wie erforderlich die Aufsicht konsultiert zu haben. Grundsätzlich stünden ihm solche Autos zu. Sawicki wies die Vorwürfe zurück. "Ich habe rückblickend keine Fehler gemacht", sagte er der "Welt" (Freitag). Mit der Institutsverwaltung sei abgesprochen gewesen, dass er sich selbst um die Bestellung des Wagens kümmere.
Die Opposition warf dem FDP-geführten Bundesgesundheitsministerium, für das Staatssekretär Stefan Kapferer im Vorstand sitzt, Klientelpolitik vor. Gesundheitsminister Philipp Rösler und die FDP hatten schon vor der Bundestagswahl keinen Hehl aus ihrer kritischen Haltung zu Sawicki gemacht. Die Organisation Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) sowie SPD, Grüne und Linke warnten, durch die Ablösung Sawickis solle der Einfluss der Pharmaindustrie wachsen.
Kapferer sagte hingegen, zwar müsse die Transparenz der IQWiG-Verfahren immer wieder überprüft werden. Das Institut leiste aber eine notwendige und gute Arbeit. "Der gute Ruf des Instituts darf nicht leiden." Seit 2004 untersucht das IQWiG, ob die in Deutschland oft besonders teuren Medikamente nützlich sind. Sonst können sie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen werden.
manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen
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