Von Maren Hoffmann
mm: Womit tun sich Deutsche besonders schwer, wenn sie vor Publikum englisch sprechen sollen?
Wenske: Den meisten steht dieser sehr deutsche Perfektionismus im Weg - die Scheu, nicht gut genug zu sein. Uns Deutschen fehlt oft das Offene, Positive, die Leichtigkeit.
mm: Das ist doch verständlich: Selbst, wenn man sehr gut Englisch kann, ist man niemals so souverän wie in der eigenen Muttersprache.
Wenske: Jede Sprache hat ihre eigene Emotionalität. Das Deutsche ist sehr förmlich und sehr strukturiert. Das Englische hat eine gewisse Leichtigkeit. Für uns Deutsche klingt es informell. Es ist sehr viel lockerer. Auch als Nicht-Muttersprachler kann man lernen, das Englische zu benutzen, um klar und strukturiert zu sprechen.
Im Deutschen geht vieles, was auf Englisch nicht geht: Wir erfinden Worte, wir reihen Worte aneinander. Letztens bekam ich eine E-Mail von einem Kunden, der schrieb: "Entschuldigen Sie meine verspätete Antwort, ich befinde mich im Jahresanfangsrestrukturierungsprozess." So etwas würde man im Englischen gar nicht konstruieren können.
mm: Das Unbehagen ist ja dann besonders stark, wenn man von Muttersprachlern umgeben ist. Internationale Meetings, bei denen alle sich in der Mitte beim Englischen treffen, sind einfacher.
Wenske: Es ist falsch zu denken, dass alles perfekt sein muss. Gerade die Nordamerikaner haben diesen Perfektionsgedanken nicht: Sie verzeihen einen Fehler viel eher, als der Deutsche ihn sich selbst verzeiht.
mm: Was kann man tun, damit der Vortrag besser gelingt?
Wenske: Am wichtigsten ist: Langsam reden. Sobald Sie schnell sind, verlieren Sie den Faden, weil ihre Sprechgeschwindigkeit das Tempo ihres in der fremden Sprache langsameren Denkens überholt. Wir Deutschen lieben lange Schachtelsätze. Halten Sie Ihre Sätze im Englischen lieber kurz, damit die Gedanken Schritt halten können.
Atmen Sie tief durch, Legen Sie sich Redewendungen zurecht, die Ihnen in unsicheren Momenten helfen - Sätze wie "Let me rephrase that, I think I wasn't clear" helfen über Kommunikationspannen hinweg. Daraus wird Ihnen niemand einen Strick drehen.
Wenn Sie eine Präsentation halten müssen, führt kein Weg daran vorbei, vorher viel zu üben. Achten Sie auf Ihre Redewendungen: Im Englischen sagt man nie nur "yes" oder "no", man wiederholt das Verb der Frage oder hängt eine gängige Floskel an: "yes, of course", oder "no, he wasn't". So etwas muss man immer wieder üben, damit es in Fleisch und Blut übergeht.
Stellen Sie sich auf Unterbrechungen ein - auch das kann man üben, um die dann unweigerlich aufkommende Panik zu überwinden: "I'm going to come back to that in a moment, can you please hold that question?" und dann erst einmal weiterreden, um nicht aus dem Konzept zu kommen. Oder die Frage direkt an das Publikum weitergeben, auch das kann eine gute Hilfe sein: "Has anyone got an answer for that?" Eine Unterbrechung muss kein Panikmoment sein.
Und vermeiden Sie Verlegenheitsstrategien wie wildes Gestikulieren oder Auf-und-ab-Laufen - das bringt zu viel Unruhe in Ihren Vortrag, und Ihre Zuhörer sind schnell vom eigentlichen Inhalt Ihrer Präsentation abgelenkt. Alles, was eine Barriere aufbaut oder von mir als Sprecher ablenkt, ist ungünstig, und das passiert einem in einer Fremdsprache noch eher als in der Muttersprache.
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