Von Karsten Langer
mm: Reicht es also, wenn ein Unternehmen Anzeigen auf Stellenbörsen und der Website veröffentlicht?
Weitzel: Trotz der Reichweite, die das Internet bietet, sind viele Stellen schwer besetzbar. Hier können Web-2.0-Möglichkeiten geschickt komplementär genutzt werden. So hat etwa Siemens jahrelang nach einem Signaltechniker gesucht und keinen gefunden. Dann hat man herausgefunden, dass Signaltechniker Modelleisenbahnen lieben. Mit diesem Zielgruppenwissen hat man im größten Märklin-Blog Deutschlands gepostet, das man einen Signaltechniker sucht - und innerhalb von wenigen Tagen war die Stelle besetzt. Man sieht hier, dass die Anforderungen nicht nur an Kandidaten, sondern auch an den Recruiter 2.0 wachsen.
mm: Können Unternehmen denn dies alles noch beherrschen?
Weitzel: Die Unternehmen haben gelernt, dass man eine Rekrutierungsstrategie zielgruppenorientiert aufbauen muss. Das ist wie bei Anglern: Die müssen auch wissen, welchen Fisch sie fangen wollen, welchen Köder der mag, wo er sich versteckt und wie man sich ihm nähert. Die Anforderungen an die Personaler sind gewachsen und es ist daher häufig sinnvoll, auf externe Dienstleister zurückzugreifen. Onlinejobbörsen bieten inzwischen genau diese Dienstleistung an. Neben der Anzeige auf der Webseite positioniert man weitere Anzeigen in zielgruppenspezifischen Netzwerken. Außerdem werden Komplettlösungen für den gesamten Rekrutierungsprozess angeboten.
mm: Bedeutet die Übermacht des Internets das Ende persönlicher Netzwerke?
Weitzel: Auf keinen Fall. Wenn ein Mitarbeiter etwa mit einem Freund über eine freie Stelle spricht, dann bekommt der ein realistisches Bild vom Unternehmen und auch davon, ob das ein Job für ihn wäre. Kluge Unternehmen nutzen längst die Netzwerke ihrer Mitarbeiter, um geeignetes Personal zu rekrutieren. Microsoft Deutschland etwa generiert fast alle neuen Mitarbeiter über Mitarbeiterempfehlungen oder soziale Netzwerke.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH