mm: Ihr gemeinsames Buch widmet sich dem Thema "Positive Leadership". Was verbirgt sich dahinter?
Creusen: Positive Leadership ist ein Führungsmodell abgeleitet aus der Positiven Psychologie, die Ende der 90er Jahre als Begriff entstanden ist. Als Martin Seligman neuer Präsident der American Psychological Association wurde, hat er dies als Motto für seine Amtszeit definiert. Er meinte damit eine Neuausrichtung der Psychologie weg von der Bearbeitung von Krisen, Konflikten und Schwierigkeiten, hin zu der Frage, was macht das Leben erfolgreich, gelingend und glücklich.
Diese Ausrichtung hatte sehr schnell Erfolg. Daniel Kahneman, einer ihrer Protagonisten, bekam bereits 2002 den Wirtschaftsnobelpreis. Viele Wissenschaftler haben sich diesem Ansatz angeschlossen, viele überraschende Methoden und Werkzeuge sind entwickelt worden. Diese haben wir in den Unternehmensalltag übertragen und unseren Ansatz Positive Leadership genannt.
mm: Wofür genau steht Positive Leadership?
Creusen: Sie lässt sich mit vier Begriffen beschreiben: Erstens die Orientierung auf Stärken, zweitens der Ansatz des Flow und der absoluten Fokussierung, der von Mihály Csikszentmihályi entwickelt wurde und übertragen wurde auf das Arbeitsleben, drittens die Beteiligung an Entscheidungsprozessen und viertens der Sinn, vermittelt in erster Linie durch Ziele und Zielvereinbarungen bis hin zu Unternehmensvisionen. Mit dem Definieren von Zielen gelingt es Menschen nämlich viel einfacher, einen Sinn zu finden in dem, was sie tun.
Eschemann: Dabei helfen Werkzeuge zur Selbstbeurteilung. Wir favorisieren den Clifton Strengths Finder, den Donald Clifton und Marcus Buckingham für das Gallup-Institut entwickelt haben. Dabei erscheinen auf einem Bildschirm jeweils zwei Aussagen gleichzeitig, zum Beispiel "Sie beteiligen sich gerne an philosophischen Diskussionen" und "Sie betätigen sich gerne sportlich". Der Durchführende muss sich in 20 Sekunden entscheiden, welche der beiden Aussagen eher zutrifft.
Nach 180 Aussagepaaren erscheinen automatisch die ersten fünf Talente als Textbausteine. Mein erstes Talent heißt Learner, also Wissbegier, ein sehr positives Element in Situationen wie Veränderungsprozessen. Anschließend werden die weiteren Ergebnisse gemeinsam mit einem Coach durchgesprochen.
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