Das beginnt oft schon im Vorschulalter, wie der Leipziger Pädagoge Hans-Georg Mehlhorn erkannt hat: Gemeinsam mit seiner Frau Gerlinde hat er ein Netz privater Kindergärten, Vorschulen und Grundschulen geknüpft, die sich der kreativen Förderung von Kindern verschrieben haben. Singen, Tanz und Musik gehören dazu, Theater und kreatives Schreiben, mehrere Fremdsprachen, Informatik und naturwissenschaftliche Phänomene.
Diese Förderung funktioniert: Die Noten an den Mehlhorn-Schulen sind überdurchschnittlich, und auch in Intelligenztests ist der Erfolg abzulesen. "Hier schneiden unsere Schüler deutlich besser ab als die meisten Gleichaltrigen", erklärt Mehlhorn.
Neben der frühen Förderung ist Erfahrung ein weiterer Faktor für Kreativität. Eindrucksvoll hat dies ein Team deutscher und schwedischer Psychologen bereits in den 1990er-Jahren in einer Studie mit Geigern der Berliner Hochschule der Künste demonstriert: Die erfolgreichsten unter den Studenten hatten am frühesten mit dem Geigespielen angefangen, ergab die Analyse. Mit zwanzig Jahren verfügten manche bereits über eine Erfahrung von 10.000 Stunden an der Geige. Naturtalente, die es ohne Übung zur Meisterschaft bringen, gibt es nicht.
Die Liste der Faktoren, die erfüllt sein müssen, dass Kreativität entsteht, ist damit jedoch längst nicht zu Ende: Auch die Persönlichkeit hat einen großen Einfluss darauf, dass gute Ideen entstehen und umgesetzt werden können. Als ideal haben sich dabei Persönlichkeiten erwiesen, die starke Gegensätze in sich vereinen: Gelassenheit und Ruhe trifft in ihnen auf unbändige Energie, Weltklugheit auf natürliche Naivität, Disziplin und Verantwortungsgefühl auf kindlichen Spieltrieb.
An diesen Gegensätzen leiden manche kreativen Menschen aber auch - einige zerbrechen daran. Das Klischee von Genie und Wahnsinn, die nahe beieinander liegen, trifft manchmal zu. Doch die Momente, in denen sich der kreative Geist in blendenden Ideen entlädt, können für den Kreativen zum höchsten Genuss werden. "Flow" heißt der Gefühls- und Geisteszustand absoluter Konzentration, zu dem es viele, die ihn einmal erlebt haben, immer wieder hinzieht.
Kreativität wird schließlich auch durch das aktuelle Umfeld befeuert, in dem sich ein Mensch befindet. So gab es in der Geschichte immer wieder Städte, die für ihre kreativen Köpfe bekannt waren: Das Florenz des 15. und 16. Jahrhunderts oder Paris und Wien um 1900 waren ebenso solche Orte wie das Silicon Valley in Kalifornien, wo in den 1980er- und 1990er-Jahren Meilensteine der Computertechnik gesetzt wurden.
Kreative Menschen können wesentlich erfolgreicher sein, wenn sie von einem Geflecht von Mitstreitern umgeben sind, die ihre Ideen umsetzen und weitertragen. Der geniale Geist im stillen Kämmerlein darf nicht allein bleiben - sonst bleibt der Erfolg aus.
Ulrich Dewald, ddp
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