Der ehemalige EADS-Ko-Chef Noël Forgeard steht dagegen laut dem Berichterstatter weiter im Verdacht des Insiderhandels. Forgeard hatte im März 2006 durch den Verkauf von EADS-Aktienoptionen einen Gewinn von 3,7 Millionen Euro gemacht. Er beteuerte nun erneut seine Unschuld. Dies würden die von seinen Anwälten zusammengetragenen Unterlagen beweisen, sagte er.
Mit Forgeard auf der "Anklagebank" sitzen unter anderem der deutsche Airbus-Finanzvorstand Andreas Sperl, der heute das Airbus-Werk in Dresden leitet, sowie der amtierende Airbus-Marketingchef John Leahy. Forgeard hatte damals 4,34 Millionen Euro mit den Aktiengeschäften verdient, Leahy 3,12 Millionen und Sperl gut 816.000 Euro.
EADS selbst droht gleichfalls eine Buße von bis zu zehn Millionen Euro, weil das Unternehmen nicht "so schnell wie möglich" über die Verzögerungen informiert haben soll. Entlastet sah der Berichterstatter dagegen die Großaktionäre Daimler
und Lagardère, die vor dem Kurssturz Aktien verkauft hatten.
Am ersten Anhörungstag wurde zunächst nicht inhaltlich über die Vorwürfe gesprochen. Es hätten "Verfahrensprobleme" auf der Tagesordnung gestanden, sagte der Daimler-Anwalt Olivier Metzner. Genaue Zeitpunkte für die Befragung einzelner Manager gab es nicht.
Entlastend für die Verdächtigen könnte ein Gutachten von McKinsey sein. Denn die Experten waren sich noch 2006 sicher, dass Airbus die Probleme bei der Fertigung der A380 in den Griff bekommen würde. Die Kunden würden das weltgrößte Verkehrsflugzeug pünktlich bekommen können, hieß es damals. McKinsey hatte dem damaligen deutschen Airbus-Chef Gustav Humbert und dem französischen A380-Programmchef Charles Champion regelmäßig Bericht erstattet.
Mit ihrer Einschätzung lagen die Unternehmensberater im März 2006 zwar gründlich daneben. Doch ihr Rat soll heute beweisen, dass das Ausmaß der A380-Probleme damals nicht erkennbar war. Das würde bedeuten: Freispruch für alle Beschuldigten im EADS-Insiderskandal.
Für EADS und seine Topmanager steht in dem Verfahren viel auf dem Spiel. Aber auch für die AMF, denn die Börsengendarmen könnten ihren Ruf ruinieren. Sie dürfen sich nicht dem Verdacht aussetzen, EADS zu schonen, weil der Konzern für Frankreich strategisch wichtig ist. Noch unter dem Eindruck der Finanzkrise würde die Öffentlichkeit ein mildes Urteil kaum akzeptieren, wenn eine Insider-Straftat nachgewiesen würde.
Bis Mitte Dezember will die AMF ihre Entscheidung treffen. Unabhängig von den AMF-Verfahren laufen zu der Insideraffäre auch Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft. Sie hat noch nicht entschieden, ob sie EADS-Manager in einem Strafprozess anklagt.
manager-magazin.de mit Material von afp, reuters, dpa-afx und ap
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