Von Helmut Reich
mm.de: Die Mitglieder eines Teams unterscheiden sich oft enorm - wie geht man mit den Spezialisten um?
Hinz: Die Arbeit im Projekt bietet diesen mehr Freiheiten und Spielräume als die Tätigkeit in der Linie, aber auch größere Unsicherheiten. Es ist wie bei einer Expedition durch einen nächtlichen Wald. Die Teilnehmer sehen immer nur das, was die Taschenlampe ausleuchtet. Es gibt Menschen, denen eine solche Suche nach neuen Wegen Spaß macht, während andere lieber jeden Tag durch den vertrauten und hell erleuchteten Korridor gehen, bei dem sie genau wissen, welche Tür wohin führt.
mm.de: Gibt es ein Erfolgsrezept?
Hinz: Es gilt, die Spezialisten eines Projekts aktiv einzubinden. Nur wenn sie ihre Ideen im Team einbringen können und dafür Wertschätzung erfahren, werden sie auch das nötige Engagement für die Mitarbeit entwickeln. Das Projekt muss ihnen eine Herausforderung bieten, wie sie es in der täglichen Sachbearbeitung nicht finden - erst dann entstehen Motivation und der notwendige Mut zum Risiko.
mm.de: Und wo liegen die Gefahren?
Olaf Hinz: "Sicher durch den Sturm - So halten Sie als Projektmanager den Kurs."; Orell Fuessli Verlag, September 2009, gebunden, 208 Seiten, 24,90 EURO.Buch bestellen
mm.de: Sie haben kürzlich ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Sicher durch den Sturm" - brauchen wir in der Krise eine neue Generation von Führungskräften?
Hinz: In den meisten Fällen muss die Antwort hier "Ja" lauten. Erfolgreiches Management benötigt keine tapferen Helden mehr. Früher wurden auftretende Überraschungen und unvermeidliche Widerstände einfach niederkämpft. Doch diese Zeiten sind vorbei. Stattdessen nimmt der Manager von heute gelassen und aufmerksam alle Ereignisse und Signale auf, die er im Zusammenhang mit seinem aktuellen Projekt beobachtet.
mm.de: Gibt es weitere Unterschiede zu den "tapferen Helden"?
Hinz: Anstatt nach eindeutigen Lösungen zu suchen, denkt die erfolgreiche Führungskraft mittlerweile besser in Alternativen. So genannte objektive Wahrheiten gibt es nicht mehr, lieber arbeitet der Manager mit Beschreibungen. Und statt auf lineare Kausalketten wird heute auf Vernetzung gesetzt. Es wird dann auch mal unter Risiko entschieden - das ist immer besser, als bei einer unerwartet eintretenden Situationen entscheidungsunfähig zu sein.
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