Von Helmut Reich
mm.de: Die Wirtschaftskrise bestimmt das Denken in den Unternehmen. Entscheiden Manager auch unter Unsicherheit noch effektiv?
Olaf Hinz coacht als Partner der Beratergruppe HRD Führungskräfte. Zuvor war er Projektmanager, HR-Manager bei der Kieler Landesbank und Büroleiter des damaligen Wirtschaftsministers von Schleswig-Holstein Peer Steinbrück. Kürzlich erschien sein neues Buch "Sicher durch den Sturm". Hinz ist Mitglied der manager-lounge.
mm.de: Es sind doch aber nicht alle Methoden aus dem bewährten Werkzeugkasten schlecht?
Hinz: Nein, sicherlich sind auch diese notwendig, aber bei weitem nicht allein entscheidend für den Erfolg. Sie müssen durch eine innere Haltung ergänzt werden - durch einen souveränen Umgang mit komplizierten Führungsfragen und Interessenkonflikten, aber auch mit Demotivation und Abweichungen von der Planung.
mm.de: Was macht die Führung in einem Einzelprojekt so besonders?
Hinz: Hier gibt es wesentliche Unterschiede zur Führung in hierarchischen Strukturen. Man könnte in einigen Fällen sogar von "Führung ohne Macht" sprechen. Es braucht eine aktive Persönlichkeit, ähnlich der eines Kapitäns. Fünf Merkmale sollten diese Person auszeichnen. Neben Gelassenheit gehört dazu ein variantenreicher Führungsstil, der Unterschiede aktiv nutzt. Hinzu kommen ein einflussreiches Verhalten und ein Management, welches das Ohr auf der Schiene hat. Und nicht zuletzt eine Kommunikation, die Interessen aktiv aufspürt, statt nur unter Konflikten zu leiden.
Hinz: Fehlende Machbarkeitsanalysen, keine klaren Aufträge, aber auch die Detailverliebtheit des Auftraggebers gehören dazu. Es ist wichtig, dass der Projektleiter den Auftraggeber mit seinem Verhalten konfrontiert und das Projekt von Anfang an auf belastbare Wege bringt.
mm.de: Wie gelingt dabei die Teammotivation am besten?
Hinz: Eine sinnvolle Struktur ist entscheidend. Mit einem verständlichen Terminplan und klaren Zielen zeigen Sie jedem Mitglied im Team, wie das Uhrwerk aussieht, in dem er für sein einzelnes wichtiges Rädchen zuständig ist. Ein guter Chef macht den Zusammenhang erkennbar, in dem jeder eigenverantwortlich handelt, anstatt die Führungsenergie in immer ausgefeiltere Anreizsysteme zu stecken.
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