Von Andreas Steinle
Vor nicht allzu langer Zeit wäre man hierfür wohl als Gutmensch beschmunzelt worden. Irritiert hätte auch die Tatsache, dass die Alnatura-Mitarbeiter Malkurse belegen, um eine Grundkreativität zu erlernen. Heute führt solch eine Haltung nicht zu Unverständnis, sondern zu wirtschaftlichem Wachstum.
Nun stellen wir uns einmal einen Investmentbanker der Deutschen Bank beim Malkurs vor. Heute sicher noch ein ungewöhnliches Bild. Aber in zehn Jahren? Es tut sich etwas im Wirtschaftsdenken.
Als Anfang Juni der jüngste Absolventenjahrgang der Harvard Business School verabschiedet wurde, schwor die Hälfte der 900 Absolventen einen Eid, den sie zuvor selbst verfasst hatten: "Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen." Und weiter: "Ich werde stets mit der größtmöglichen Integrität handeln und meiner Arbeit in einer ethischen Weise nachgehen." Was als kleines Projekt startete, ist mittlerweile zu einer Bewegung geworden. Andere Managerschmieden schließen sich an oder denken ihrerseits über einen Eid nach.
Die Unternehmen, die junge Nachwuchskräfte rekrutieren, werden es mit einer neuen Generation von Absolventen zu tun haben. Lange Zeit galt den Unternehmen die Höhe der Entlohnung als einziges Mittel zur Motivation. "In der Ökonomie von morgen spielen jedoch Lebensqualität, Zufriedenheit und die Möglichkeiten zur Kreation und Mitgestaltung eine immer größere Rolle", wie es in der neuen Studie des Zukunftsinstituts "Die Matrix des Wandels" heißt.
Diese Aspekte spielen für Mitarbeiter eine größere Rolle, aber genau so auch für Kunden. Ihnen geht es ebenso um ein Mehr an Lebensqualität anstatt um den billigsten Preis. Sie wollen "sinnvoll" konsumieren. Und so folgt nach der Krise eine neue Ära des Wirtschaftens und Konsumierens. Eine Ära, in der sich Premium über gesellschaftliche Verantwortung positioniert. Eine Zeit, in der Luxus nicht mehr Fünf-Sterne, sondern unberührte Natur bedeutet. Diese Ära wird uns nicht völlig neu erscheinen, aber sie wird viele Unternehmen zum Umdenken zwingen. Sonst findet der Aufschwung ohne sie statt.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH