Von Andreas Steinle
Hamburg - Im medialen Sommerloch erblühen die ersten zarten Pflänzchen des sich nach der Krise abzeichnenden Aufschwungs. Die Exporte ziehen in Deutschland wieder an. Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen im Juni und Juli zu. Der Dax
klettert beständig nach oben. Binnen weniger Monate ist er um 50 Prozent gestiegen. Die Banker schielen schon wieder nach üppigen Boni. Die Politiker versprechen Vollbeschäftigung. "Business as usual. Zurück zum Tagesgeschäft" könnte man meinen.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so ist das Bestreben, die gelernten Muster weiterzuverfolgen nichts Ungewöhnliches. Wir werden also erleben, wie die Gier das Hirn mancher Anleger wieder ergreift. Wie Banken durch spekulative Geschäfte an der Insolvenz vorbeischlittern. Deutschlands bekanntester Soziologe Ulrich Beck fragt in einem Essay für die Frankfurter Rundschau besorgt: "Ist nun das Zeitfenster für die Zivilisierung des Marktfundamentalismus schon wieder geschlossen?" Er beobachtet den Stillstand in einem "zugleich bankrotten und nicht bankrotten globalen System des neo-neoliberalen Staatskapitalismus, ohne Alternative?".
Als vehementer Verfechter eines begründeten Optimismus will ich versuchen, diese Ängste auszutreiben. Zum einen gibt es immer eine Alternative. Zum anderen zeigt sich der Wandel verborgen im Schatten des Bestehenden. Und es sind neue Kräfte, die diesen antreiben.
Es sind nicht die mächtigen Finanzinstitutionen, die den verantwortungsvolleren Umgang mit Geld forcieren, sondern eine neue Kundenschicht, die sich im Internet und bei Stiftung Warentest schlau macht. Es sind nicht die großen Konzerne und deren Manager, die unsere Wirtschaft innovieren, sondern unternehmerisch geführte Betriebe mit Vision. Sie tauchen nicht täglich in der Wirtschaftspresse auf, was ihre Bedeutung keinesfalls schmälert.
Jene, die den Wandel vorantreiben, sind Unternehmen wie der Bio-Lebensmittelhändler Alnatura, der sich für einen ökologischen, verantwortungsvollen Konsum einsetzt und mittlerweile zum Marktführer in Deutschland aufgestiegen ist. Auf die Frage, ob seine Produkte in Krisenzeiten nicht Luxus seien, antwortet Alnatura-Gründer Götz Rehn: "Es ist kein Luxus, sondern das Grundsätzlichste, was jemand mit gesundem Menschenverstand machen kann. Er bekommt bestmögliche Qualität für sich selbst, für die Umwelt, und er schafft Arbeitsplätze."
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