Von Sven Böll
Die große Liebe? Schon schön. Ein Job, der Spaß macht? Auch gut. Aber gegen den größten Traum der Deutschen haben Amore und Arbeit dann doch keine Chance: Umfragen zeigen immer wieder, dass sich die Menschen am meisten danach sehnen, Millionär zu werden. Selbst in diesen Zeiten, in denen der Turbo-Kapitalismus seine Fratze zeigt, gilt ein siebenstelliges Investmentbanker-Vermögen noch immer als Symbol der irdischen Erfolgsdreifaltigkeit schlechthin: Glück, Attraktivität und Freiheit.
Aber wie realistisch ist das Ziel der ersten Million überhaupt, wenn man nicht gerade Titel wie Großerbe, Lottokönig oder Finanzjongleur auf seiner Visitenkarte trägt, das eigene Gehalt also zwangsläufig der wichtigste Einsatz im ganzen Spiel ist?
Nun ja, die Antwort hat einen theoretischen und einen praktischen Teil. Möglich ist der Aufstieg in den pekuniären Olymp der rund 800.000 deutschen Millionäre zwischen Blankenese und Starnberger See durchaus. Zumal für Gutverdiener. Das zeigten in den 90er Jahren schon die Wirtschaftswissenschaftler Thomas J. Stanley und William D. Danko am Beispiel der USA. Sie stellten fest, dass 80 Prozent der US-Millionäre Vermögende der ersten Generation waren, also nicht geerbt, sondern bei null angefangen hatten.
Nun zur Praxis: Eine Untersuchung des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vor einigen Jahren zeigte, dass selbst die 10 Prozent einkommensstärksten Haushalte oft kein nennenswertes Vermögen haben. Obwohl sie im Schnitt über ein Nettoeinkommen von mehr als 80.000 Euro im Jahr verfügen, besitzt die Hälfte weniger als 250.000 Euro - und da ist der Immobilienbesitz schon eingeschlossen.
Der Grund für das krasse Missverhältnis zwischen Theorie und Praxis ist simpel: Die meisten Menschen sind nicht bereit, für das Sparen, das sie der Verwirklichung ihres Traums näher bringen würde, auch auf Konsum zu verzichten. Deshalb bedeutet mehr netto in der Regel auch Cayenne statt Corsa und Mauritius statt Mallorca.
Der weit verbreiteten Prasserei hält Ferdinand Piëch, nicht nur jüngst erfolgreicher Sieger im Porsche-Machtkampf, sondern auch seit langem multimilliardenschwerer Automagnat, seine Lebensweisheit entgegen: "Reiche Menschen sind dadurch reich, dass sie weniger ausgeben, als sie einnehmen."
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH