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08.07.2009
 

Kündigung

Risikofaktor Twitter

In der Vergangenheit waren es vor allem gedankenlose Online-Einträge, die dazu führten, dass Angestellte ihre Kündigung erhielten. Wer heute via Twitter über den Chef oder die Firma lästert, sitzt schneller auf der Straße, als ihm lieb ist.

Hamburg - Ein Mann lästerte während eines Vortrages über sein Unternehmen - und war noch vor Ende der Rede seinen Job los. "Die Zuhörer hatten getwittert und das Unternehmen die Einträge gelesen", erzählt Torsten Schwarz, Marketingfachmann im Onlinebereich. Passiert ist die Geschichte in den USA. "Aber auch in Deutschland wird bei Vorträgen viel getwittert."

Folgenschwere Schwätzmaschine: Wer nicht aufpasst, kann sich beim twittern um Kopf und Kragen tippen
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DPA

Folgenschwere Schwätzmaschine: Wer nicht aufpasst, kann sich beim twittern um Kopf und Kragen tippen

Lange Zeit habe man bei derlei Reden auch mal lax formulieren dürfen. "Jetzt müssen sie überall genau aufpassen, was sie sagen", sagt Schwarz. Es gebe bereits Konferenzen, wo explizit unterschrieben werden müsse, dass man nicht twittern wird. Denn zumindest einige der Millionen 140 Zeichen langen Kurzbotschaften bergen riskanten Zündstoff.

"In Deutschland hat es noch keinen prominenten Rausschmiss wegen Twitter gegeben. Aber das ist nur eine Frage der Zeit", sagt Socialmedia-Fachfrau Nicole Simon, die ein Buch über das Phänomen Twitter geschrieben hat. Arbeitnehmer stünden mit den Möglichkeiten des Web 2.0 viel mehr in der Öffentlichkeit.

In der Schweiz habe eine Mitarbeiterin beispielsweise ihren Facebook-Eintrag überarbeitet - nachdem sie sich bei ihrem Arbeitgeber wegen Migräne krankgemeldet hatte. In einem anderen Fall habe ein Bewerber nach dem Vorstellungsgespräch via Twitter über den potenziellen Arbeitgeber gelästert. In beiden Fällen bekamen die Firmen die Untaten mit. "So was ist unschlau", sagt Simon. Viele Leute dächten aber einfach gar nicht daran, dass ihr "Gezwitscher" nicht nur von Freunden und Verwandten gelesen wird.

Gefährlich ist das nicht nur für Angestellte, sondern auch für die Unternehmen selbst - wenn in den Kurznachrichten arglos Interna verraten werden oder über Kunden und Konkurrenz hergezogen wird. "Wenn da etwas Schlimmes oder Spannendes ist, verbreitet sich das explosionsartig", erklärt Simon. Die Wahrscheinlichkeit für so ein "Leck" sei viel höher als bisher bei Blogs, da mit Twitter etliche Menschen ins Mitmach-Web einstiegen, die davon zuvor gar nichts wissen wollten. "Twitter senkt die Hemmschwelle, es ist ganz einfach und macht Spaß. Die Deutschen haben Blogs verschmäht, aber sie verschmähen Twitter nicht."

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