Von Ellen Kollender
Selbst Ludwig Wittgenstein kann den Weg in den Beruf ebnen: Philosophie-Absolvent Philipp Höhler aus Darmstadt schrieb seine Magisterarbeit über den großen Denker. Und fragte sich: "Was fange ich jetzt damit an?" Höhler stieß im Internet auf das Abschlussarbeitenportal "diplom.de", das ihm anbot, sein Werk als virtuelles Buch im Web gegen Provision zu verkaufen, begleitend dazu könne er ein eigenes Internet-Profil erstellen.
Nach kurzer Zeit fand er sein Wittgenstein-Traktat zwischen 10.000 Werken anderer Autoren wieder - in erster Linie Betriebswirte, die über neue Marketingstrategien und die Hypothekenkrise geschrieben hatten. Trotzdem gab es Leute, die auf Höhler aufmerksam wurden: "Nach ein paar Wochen klingelte mein Telefon, ein Verlag war dran. Man sei über die Abschlussarbeit auf mein Profil gestoßen und wolle mir einen Job anbieten", erzählt der Absolvent. Heute betreut er als Online-Redakteur das neue Internet-Portal des Verlags.
Dass Arbeitgeber so aktiv auf die Suche gehen, sei aber die Ausnahme, sagt Erfurth. "Bei Absolventenbörsen viele Informationen von sich preiszugeben und dann darauf zu hoffen, dass irgendjemand anbeißt, kann sehr lange dauern", sagt der Einstiegsexperte. "Und dass sich dann die Branche meldet, bei der man auch arbeiten möchte, ist unwahrscheinlich."
Manchmal kann es karriereträchtig sein, wenn Thema und Arbeitgeber gerade nicht wie Topf und Deckel zusammenpassen. Einige Unternehmen wie die Beratungsfirma McKinsey werben damit, gezielt nach Exoten zu suchen. "Treffen sich ein Betriebswirt, ein Theologe und ein Mediziner" lautet der Slogan, mit dem die Consulting-Firma nach neuen Kräften sucht. So kommen derzeit 35 Prozent der Berater nach einem natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studium zu McKinsey, acht Prozent entstammen den Geisteswissenschaften.
Friederike Nagel ist so eine Exotin. Sie studierte Kommunikations- und Literaturwissenschaften in Mainz, heute berät sie Banken. "Mein Studium habe ich aus Interesse gewählt", erzählt die 28-Jährige. "Nach einigen Praktika, unter anderem auch in der Unternehmensberatung, habe ich aber schnell festgestellt, dass ich in die Wirtschaft will."
Ihre Abschlussarbeit wies nur indirekt in Richtung ihres jetzigen Arbeitgebers. Sie handelt vom nonverbalen Kommunikationsverhalten von Meinungsführern.
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