Von Ellen Kollender
Die Blitzkarriere des Thorsten Busenius ging so: Bachelor, Hospitanz bei der Schweizer Dachgesellschaft des Kaffeerösters Tchibo, noch vor Abschluss seines Studiums ein Jobangebot als Finanzreferent - bei Tchibo. "Hätte ich mich von außen beworben, wäre ich nicht genommen worden", glaubt der 28-jährige Wirtschaftsjurist. Flugs akzeptierte er das Angebot aus Zürich.
Ohne seine Bachelorarbeit wäre er nicht dort gelandet, wo er heute sitzt, da ist sich Busenius sicher. Der Trick: Er hat das Werk direkt in der Firma verfasst, in der Finanzabteilung von Tchibo.
Mit diesem Jobeinstieg habe der Absolvent "den Königsweg gewählt", sagt Dirk Erfurth, Leiter der Abteilung Student und Arbeitsmarkt der Universität München. "Es wird immer wichtiger, sich schon früh zu überlegen, für wen das Thema der Abschlussarbeit später relevant sein könnte."
Vor 20 Jahren reichte noch der formale Abschluss - heute schauen die Personalchefs genauer auf das zum Studienende verfasste Opus.
Das Thema ist nicht mehr Nebensache
Heike Kuss, Beraterin im Hochschulteam der Berliner Agentur für Arbeit, empfiehlt deshalb, den genauen Titel in den Lebenslauf aufzunehmen. "Für die Selbstvermarktung ist das ein wichtiges Kriterium", sagt sie. Im Bewusstsein der meisten Studenten sei allerdings noch nicht angekommen, dass man mit dem meist viele Seiten starken Werk mutig auftrumpfen sollte.
Woher auch? Sich auf diese Weise für einen Job zu empfehlen hat in Deutschland wenig Tradition. Zwar werden jedes Jahr mehr als 240.000 Abschlussarbeiten an deutschen Hochschulen geschrieben. Doch die meisten werden nur von den Korrektoren gründlich gelesen - und manchmal nicht einmal von denen.
Darüber, wie man sich mit seinem Thema später auf dem Arbeitsmarkt positioniert, erfahren deutsche Studenten wenig. Ihre Haltung entspricht eher der, die der italienische Schriftsteller und Hochschullehrer Umberto Eco in den siebziger Jahren in seinem Standardwerk über das Verfassen von Abschlussarbeiten formulierte. Sein Fazit damals: Das Thema ist Nebensache. Was zählt, ist die Erfahrung, eine wissenschaftliche Arbeit vollendet zu haben. Die Realität auf dem umkämpften Arbeitsmarkt sei längst eine andere, meint Heike Kuss. "Gerade Absolventen, die ihre Abschlussarbeit im Unternehmen geschrieben haben, finden später auch leichter eine Anstellung."
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