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20.04.2009
 

Arbeitsmarkt

Ingenieurmangel kostet Milliarden

Von Alexander Hämmerli

Gut 64.000 Ingenieurstellen konnten nach VDI-Zahlen im vergangenen Jahr in Deutschland nicht besetzt werden. Das kostete die heimische Volkswirtschaft mehrere Milliarden Euro. Der Fachkräftemangel ist zwar geringer als 2007, doch mit dem Generationenwechsel droht sich das Problem auszuweiten.

Hannover - Dem deutschen Ingenieurmarkt mangelt es trotz Wirtschaftskrise weiterhin an Fachkräften: Im vergangenen Jahr konnten mindestens 64.000 Stellen nicht besetzt werden, knapp die Hälfte davon im Maschinen- und Flugzeugbau. Diese Zahlen veröffentlichte Willi Fuchs, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), am Eröffnungstag der Hannover Messe.

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Der Fachkräftemangemangel hat allerdings nachgelassen: Ende März dieses Jahres blieb noch eine Lücke von 44.000 offenen Stellen, 2007 lag das Maximum noch bei 87.500. Fuchs sprach trotz des Rückgangs von einem "immer noch stabilen Arbeitsmarkt für technisch Hochqualifizierte, der bis heute der Finanzkrise standhält." Bei einer Arbeitslosenquote von rund 2 Prozent (gut 23.000 Arbeitslose im März) spreche man aber nach wie vor von Vollbeschäftigung. Außerdem befand sich die Zahl der Ingenieure im März 2009 auf einem Rekordhoch von gut 670.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die meisten Angestellten sind Elektroingenieure, gefolgt von Maschinen- und Fahrzeugbauingenieuren.

Enorme Kosten

Die Kosten des Ingenieurengpasses für die deutsche Volkswirtschaft beliefen sich 2008 nach Angaben des VDI sowie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) auf gut 6,6 Milliarden Euro. Arbeitsmarktexperten halten diese Zahl für überzogen. "Die Annahme, man könne die durchschnittliche Wertschöpfung eines beschäftigten Ingenieurs, also laut IW Köln 104.000 Euro, mit der Zahl der nicht ausgefüllten Stellen multiplizieren, greift zu kurz", so ein Ökonom, der nicht genannt werden möchte, gegenüber manager-magazin.de. "Es ist eine einfache und anschauliche Berechnung. Das Resultat allerdings dem tatsächlichen Wertschöpfungsverlust gleichzustellen, halte ich für nicht zulässig."

Ein weiterer Arbeitsmarktexperte fügt hinzu, dass die Berechnung des IW Köln und des VDI voraussetzt, dass für jeden neu beschäftigten Ingenieur auch Faktoren wie Kapital, Maschinen und zusätzliche Mitarbeiter neu hinzukommen müssten. Und diese Faktoren seien in der Branche sehr heterogen. Außerdem sei zu erwarten, dass der Ingenieurmangel in kleineren Betrieben sowie in der Dienstleistungsbranche ausgeprägter sei als in Großunternehmen. Da dort im Schnitt Löhne und Wertschöpfung tiefer lägen, dürfte die Kalkulation von VDI und IW über den tatsächlichen Betrag hinausschießen.

Doch trotz der Zweifel an den VDI-Zahlen bestätigten auch die von manager-magazin.de befragten Experten: Der Betrag, der Deutschland durch den Mangel an Ingenieuren entgeht, geht in die Milliarden.

VDI-Vormann Fuchs warnt bereits: Kommt der Aufschwung, dann würden sich die Probleme verschärfen. Um das zu verhindern, empfiehlt der Funktionär als "einzig richtige Strategie", die Beschäftigung von Ingenieuren trotz Absatzflaute konstant zu halten oder sogar auszubauen.

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