Hamburg - Viele Juristen, Wirtschaftler, Ingenieure und Informatiker verzichten inzwischen auf die Promotion - sie beginnen ihre berufliche Laufbahn lieber gleich nach dem Studium. Das mag auf den ersten Blick lukrativ erscheinen: Akademiker müssen so nicht erneut Zeit und Arbeit in einen Abschluss investieren, sondern können sofort mit einem ordentlichen Gehalt ins Berufsleben starten.
In einigen Bereichen gibt es es ohne den Doktortitel allerdings kein berufliches Fortkommen. In Wissenschaft und Forschung sowie in der Medizin ist die Promotion ein Muss für höhere Positionen. So ist der Doktorhut für Chefärzte, Leiter von Forschungslaboren und Hochschuldozenten nahezu selbstverständlich. Auch in den Chefetagen deutscher Unternehmen führen die meisten Manager einen Doktortitel.
Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn erwarben im Jahr 2007 knapp 24.000 Akademiker an deutschen Hochschulen einen Doktortitel. "Etwa 42 Prozent von ihnen waren Frauen", sagt HRK-Sprecherin Susanne Schilden. Sie haben mit ihrer Dissertation den Nachweis erbracht, zur vertieften wissenschaftlichen Arbeit fähig zu sein. Die größte Gruppe stellen die Mediziner, gefolgt von Naturwissenschaftlern und Mathematikern.
Der Doktortitel gilt nach wie vor als Nachweis für hohe Leistungsbereitschaft. In der Wirtschaft schlägt sich das auch im Gehalt nieder. Nach Angaben der Personalberatung Kienbaum in Gummersbach verdienen Abteilungsleiter mit Doktortitel durchschnittlich 106.000 Euro im Jahr - 13.000 Euro mehr als Kollegen ohne Promotion.
Nach wie vor Krönung der akademischen Laufbahn
Auch nach der Umstellung der Studiengänge auf die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse bleibt die Promotion die Krönung der akademischen Laufbahn. Sie ist an Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen möglich. Inzwischen bilden mehr als drei Dutzend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Graduiertenschulen Doktoranden in eingegrenzten Themenspektren mit enger wissenschaftlicher Begleitung aus.
Dieses Modell ist bei Studenten oft begehrt. Markus Wildt, der im achten Semester Ingenieurswissenschaften in München studiert, erklärt warum: "Durch ein in Aussicht gestelltes Stipendium und den vorgegebenen Zeitplan kann ich mich voll auf die Dissertation konzentrieren." Viele Doktoranden müssten dagegen als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professoren arbeiten und seien damit oft mehr beschäftigt als mit der Doktorarbeit.
Bis zur Promotion kann es lange dauern, wenn Doktoranden nebenbei noch arbeiten müssen. Nach einer Umfrage der Universität Marburg schaffen lediglich 4 Prozent ihre Dissertation in weniger als zwei Jahren. Die meisten brauchen bis zu fünf Jahre, einige deutlich mehr.
Berufstätige haben oft Mühe, einen Doktorvater zu finden, wenn sie erst Jahre nach dem Examen feststellen, dass ein Doktortitel ihre Karriere beflügeln könnte. Professionelle Promotionsberater bieten dann Hilfe an, verlangen allerdings oft saftige Honorare. Der promovierte Jurist Sebastian Veelken aus Düsseldorf rät daher auf seiner Webseite Doktorandenforum.de zur Vorsicht: "Der Markt der Promotionsberater ist wenig transparent." Promotionsberater hätten in der Wissenschaft außerdem ein "Schmuddel-Image" - es gelte zumindest als unfein, sich ihrer zu bedienen.
Horst Heinz Grimm, dpa
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