Von Kevin Matros, Jacqueline Schwenk und Christoph Ahr
Ist die Reform nun aber der große Durchbruch und eine Welle von Gründungen zu erwarten, was angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage eine sehr erfreuliche Nachricht wäre? Die Gründung dieser Kapitalgesellschaft hat sich auf Basis des neuen Gesetzes vereinfacht. Die praktische Umsetzung ist allerdings nach wie vor mit einigen Schwierigkeiten verbunden.
Beispielsweise ist die Kontoeröffnung erst bei notariell beurkundeter Gründungsurkunde möglich. Der Notar benötigt wiederum einen Nachweis über das auf einem Konto eingezahlte Stammkapital, bevor er die Gründung beurkundet - die preiswerten Direktbanken scheiden damit für die Kontoeröffnung aus, da ein Handelsregistereintrag üblicherweise bereits vorliegen muss. Um den Fragebogen des Finanzamts auszufüllen, ist die Hilfe eines Steuerberaters nahezu unabdingbar. Der Gründer ist auf der Suche nach Rat. Individuelle Rechtsberatung ist teuer, Angaben im Internet und in Ratgebern sind widersprüchlich.
Gründungen bedeuten Arbeitsplätze, sorgen für Innovation und sind daher für eine moderne Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb von elementarer Bedeutung. Zu Zeiten des neuen Marktes um die Jahrtausendwende wurden zahlreiche Unternehmen gegründet, deren Anteile später für unglaubliche Summen an den Kapitalmärkten gehandelt wurden. Ja, es gab sie, die Deutschen Start-ups, aber die Erfolge waren im weltweiten Vergleich eher bescheiden. Junge Menschen haben Ideen, neue Technologien werden an deutschen Universitäten entwickelt, dass daraus Unternehmen entstehen, ist bedauerlicherweise eine Ausnahme.
Was das für Deutschland bedeutet, lässt sich nur schwer quantifizieren. Microsoft wurde in einer Garage gegründet und beschäftigt heute rund 80.000 Mitarbeiter bei einem Umsatz von umgerechnet etwa 50 Milliarden Euro und machte einen jungen Studienabbrecher zu dem zeitweise wohlhabendsten Menschen der Welt. Erfolgsstorys wie diese würden dem deutschen Staat sehr gut tun. Dafür müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Reform ist in jedem Fall zu begrüßen und ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere Erleichterungen für Unternehmensgründer sind jedoch wünschenswert. Gerade in Zeiten wie diesen müssen Gründer mit ihrem enormen Potenzial verstärkt in den Fokus der Entscheidungsträger rücken.
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