Von Karsten Langer
mm.de: Warum?
Sollmann: Seiner Meinung nach würde sonst die Firma untergehen - das ist ein klassischer Grund. Der Manager hat sich aber auch hart gemacht bis zur Selbstaufgabe. Der Tod wurde verdrängt, das Funktionieren und die Illusion von der eigenen Allmacht in den Vordergrund gestellt.
mm.de: Das ist ungesund und fürs Unternehmen gefährlich.
Sollmann: Die meisten Manager haben keinen Zugang zu ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit. Auch dies bestätigt die Studie der EKD. Wenn es Stress gibt, läuft der Manager weiter bis zum Exzess. Irgendwann bricht das System zusammen, und der Burnout ist noch das harmloseste Symptom körperlicher und seelischer Verletzungen.
mm.de: Wie können sich Manager dieser Dynamik entziehen?
Sollmann: Viele Manager haben Angst. Angst davor, ein Vorbild sein zu müssen, an vorderster Front zu stehen, Unsicherheit oder gar Ohnmacht zeigen zu müssen, das heißt: angreifbar zu sein. Führungskräfte denken, sie müssten immer alle Erwartungen erfüllen und erfolgreich sein. Tatsächlich lähmt die Angst und verhindert einen dringend nötigen Perspektivwechsel. Spätestens jetzt in der Krise funktioniert das aber nicht mehr. Heute ist es wichtiger, Farbe zu bekennen und zu sagen: "Ich weiß auch nicht, was morgen kommt. Aber lasst es uns trotzdem anpacken." Viele Führungskräfte können das nicht, das muss sich ändern.
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