mm.de: Herr Mansfeld, Maria-Elisabeth Schaeffler, einst als zurückgezogene Hardlinerin bekannt, erscheint auf einmal ganz zahm. Sie geht auf Gewerkschaften zu, öffnet sich für Mitbestimmung und gewährt Einblicke in die Nazi-Vergangenheit des Unternehmens. Nehmen Sie ihr den Wandel ab?
Mansfeld: Frau Schaefflers radikaler Rollenwechsel ist vollkommen unglaubwürdig. Noch bis vor Kurzem war ihr Konzern Deutschlands unsichtbarstes Unternehmen. Das hat sich von null auf hundert gewandelt und ins völlige Gegenteil gedreht. Auf einmal gibt Frau Schaeffler der Boulevardpresse Interviews. Auf diese Weise will sie an Bürgschaften gelangen - ich hoffe nicht, dass sie mit dieser Masche durchkommt.
mm.de: Auch an ihrem Erscheinungsbild hat Schaeffler einige Korrekturen vorgenommen. Beim Treffen mit der Gewerkschaft trug sie sogar einen roten Schal anstelle eines teuren Halstuchs, die sie sonst bevorzugte.
Mansfeld: Damit hat sie sich auf unerträgliche Weise angebiedert und eine Grenze überschritten. Frau Schaeffler spielt verschiedene Rollen, und die dekoriert sie auf plakative Weise aus. Der rote Schal war ein großer Fehler. Das ist unglaubwürdig und völlig überdreht. Da kommen einem sofort Personen wie Walter Momper (ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin - die Redaktion), SPD-Chef Franz Müntefering und jede Menge klassenkämpfende Gewerkschafter in den Sinn. Dass Frau Schaeffler sich neben IG-Metall-Chef Berthold Huber fotografieren ließ, reicht doch völlig aus. Aber sie will das Staatsgeld geradezu erzwingen.
mm.de: Offenbar hat Schaeffler gemerkt, dass ihr vorheriges Erscheinungsbild nicht zu ihrem Anliegen passte.
Mansfeld: Das ist kein Grund, es nun mit platter, durchsichtiger Symbolik zu versuchen. Von der Angreiferin zum Opfer der Finanzkrise. Von der Managerin zur Kombattantin der Arbeitnehmer. Wer soll das glauben? Den Pelzmantel hat Frau Schaeffler durch einen Anorak ersetzt. Ihre derzeit streng nach hinten gebundenen Haare sollen dieselbe Botschaft transportieren: "Ich feiere nicht, sondern arbeite hart." Und die Haare dürfen dabei eben nicht in die Maschine geraten. Wer 80 Stunden in der Woche damit beschäftigt ist, seinen Konzern zu retten und die Mitarbeiter zu verteidigen, hat auch keine Zeit, die Haare morgens aufwendig zu richten.
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