mm.de: Welche Rolle haben Headhunter in diesem System gespielt? Sie haben die Gier doch nicht gerade gemildert.
Zühlke: Ein seriöser Headhunter hat kein Interesse daran, dass ein Kandidat einen möglichst gut dotierten Vertrag unterschreibt, nur um das eigene Honorar zu steigern. Er will ja auch noch in fünf bis zehn Jahren beauftragt werden. Wenn man kurzfristig Leute zusammenbringen würde, die eigentlich gar nicht zueinander passen, geht es nach hinten los. Es gibt allerdings Situationen, in denen es für die Bank kosteneffizient ist, jemandem das Gehalt zu verdoppeln - etwa wenn er einer Bank ein neues Geschäft ermöglicht.
mm.de: Müsste sich nicht auch das Vergütungsmodell der Headhunter ändern, so dass es sich eine Vermittlung manchmal eben erst nach drei Jahren voll auszahlt?
Zühlke: Solche Modelle sind kaum zu finden und wären der Leistung des Headhunters, die in der Auswahl und Vermittlung besteht, auch nicht angemessen. Denn, innerhalb von drei Jahren kann sich vieles in einem Unternehmen ändern. Oftmals liegt ja die Ursache einer schlechten Performance nicht nur beim Mitarbeiter. Oft wird das Honorar erst nach Ende der Probezeit fällig.
mm.de: Wie sehr ist der Bankenarbeitsmarkt durch die Finanzkrise in Bewegung geraten, von wo nach wo strömen die Arbeitskräfte?
Zühlke: Die Bankenlandschaft verändert sich komplett. Auf einmal interessieren sich Mitarbeiter von internationalen Tophäusern auch für vermeintlich wenig spannende Adressen in den Regionen. So tun sich Chancen für Institute in der zweiten und dritten Reihe auf.
mm.de: Was tun Banker, um in der Krise zu überleben?
Zühlke: Viele Banker machen sich selbstständig über Spinoffs oder Neugründungen. Andere gehen in Unternehmen oder Unternehmensberatungen. Die Möglichkeiten für diese Arbeitgeber, jemanden abzuwerben, sind deutlich besser geworden.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH