Von Jochen Leffers und Christoph Titz
Zur Finanzierung der Hochschule trug in den letzten Jahren eine ungewöhnliche Quelle bei: Einnahmen aus Geldbußen. Witten/Herdecke liegt wenige Kilometer von Bochum entfernt, wo die Staatsanwaltschaft in vielen größeren Fällen von Steuerhinterziehung ermittelt. Oft werden dabei hohe Strafzahlungen oder Bußgelder fällig und gehen in der Regel an gemeinnützige Organisationen. Formal entscheiden darüber die Gerichte, halten sich dabei aber fast immer an Vorschläge der Staatsanwaltschaften.
Davon profitierte auch die Privatuniversität - in welcher Höhe, wollten auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE weder das Ministerium noch die Hochschule beantworten. Offenbar geht es um Millionensummen. Sie könnten in den Posten "Sonstige Erträge" geflossen sein, der 20 Prozent des Gesamtetats der Hochschule im Geschäftsjahr 2006/2007 ausmachte.
Vorwürfe gibt es in diesem Zusammenhang gegen die Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen. Sie hatte bei der Fahndung nach Steuersündern, die Geld nach Liechtenstein schafften, eine zentrale Rolle gespielt und auch gegen den früheren Postchef Klaus Zumwinkel ermittelt. Lichtinghagen ist Deutschlands derzeit prominenteste Strafverfolgerin reicher Steuerhinterzieher. Aber sie wechselt demnächst ihren Job und wird Richterin an einem Amtsgericht - nach Querelen in der Bochumer Staatsanwaltschaft vor allem um ihre Vorschläge zur Geldvergabe.
Zerwürfnisse in der Behörde
Großzügig bedacht haben soll sie etwa gemeinnützige Organisationen im Umkreis ihres Wohnortes Hattingen, darunter die Universität Witten/Herdecke. Pikant daran: Laut "Süddeutsche Zeitung" studiert seit kurzem dort auch eine Tochter Lichtinghagens (was die Hochschule weder dementiert noch bestätigt). Sie fiel demnach beim ersten Durchgang des Auswahlverfahrens durch und wurde im zweiten Anlauf aufgenommen.
Die Wittener Universität soll allerdings schon Jahre vor dem Studienbeginn der Tochter von Lichtinghagens Vorschlägen zur Verteilung von Bußgeld-Einnahmen profitiert haben. Der WDR berichtete am Mittwoch, die Staatsanwältin habe nach Darstellung von Wissenschaftsminister Pinkwart "von sich aus" im Juni dieses Jahres das Gespräch mit dem Ministerium über förderungswürdige Einrichtungen gesucht. Lichtinghagen habe dabei die Privatuniversität angesprochen, verbunden mit dem Hinweis, dass ihre Tochter dort studiere und sie die Verwendung von Bußgeldern mit der Bochumer Behördenleitung abstimmen wolle. Offiziell verlässt sie die Behörde nun "auf eigenen Wunsch".
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