Die Folgen von beruflichen Niederlagen sind nicht immer sofort spürbar. Eine Entlassung beispielsweise ist in der Regel für jeden unangenehm. Manchmal fühlten sich Arbeitnehmer danach aber erst einmal sogar gut, sagt Galais. "In den ersten drei Monaten gibt es zum Teil geradezu ein Freiheitsgefühl." Wie gut jemand einen solchen Rückschlag wegsteckt, zeige sich erst langfristig: "Nach spätestens einem Jahr kommt dann oft ein tiefes Loch."
Misserfolgserlebnisse müssen nicht automatisch demotivieren: "Wenn man daran glaubt, sich entwickeln zu können, dann lässt sich aus solchen Situationen auch lernen", sagte Galais. Wer das schafft, sei langfristig auch leistungsstärker. So gesehen seien Misserfolgserlebnisse sogar die Grundlage für spätere Erfolge: Schwierigkeiten überwunden zu haben erleichtert es, weitere Probleme zu meistern.
Boris Grundl hat eine ganze Menge Erfahrung mit Niederlagen und Rückschlägen: Tauchen, Tennis, Fallschirmspringen waren nur ein paar seiner Hobbys, bis ein Unfall all das zunichtemachte. Mit Mitte 20 war Grundl plötzlich gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Nur noch 10 Prozent seiner Muskeln taten ihren Dienst. "Ich war ein Fall für die Sozialhilfe", erzählt er. Heute lebt Grundl wieder in seinem Heimatort Trossingen am Rand des Schwarzwalds, spielt Rollstuhl-Rugby und ist Managementtrainer. Seine Botschaft lautet: Selbstverantwortung übernehmen.
"Hilflosigkeit ist erlernt", betont er. Wir alle neigten dazu, immer andere für das eigene Scheitern verantwortlich zu machen. Aber es bringe nichts, sich einzureden, der Chef, die Familie oder die eigene Erziehung seien schuld an Misserfolgen. "Wenn man selbst die Verantwortung dafür übernimmt, kann man auch Hürden nehmen und auf diese Weise positive Erfahrungen machen", sagt Grundl. "Dann liegt der Weg vor einem."
Nicht "alles ist möglich" sei dabei das Motto, aber: "Es gibt viel mehr Möglichkeiten, als ich denke." Entscheidend sei, sich innerlich aufzurichten, auch wenn man gerade am Boden liegt. Wenn es nicht funktioniert wie gewünscht, müsse man eben daran arbeiten, wie es sich trotzdem hinkriegen lässt: "Dabei gibt es kein "Nie"", sagt Grundl, "sondern nur ein 'Noch nicht' oder 'So nicht'."
Andreas Heimann, dpa
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