Von Lutz Reiche
Dass Rürup jetzt dauerhaft auf der Gehaltsliste des AWD steht, verwundert einige Beobachter daher nicht. Nur an der nach außen formulierten Funktion und Aufgabe des neuen prominenten Mitstreiters hegen sie erhebliche Zweifel: "Wozu braucht ein Finanzvertrieb einen Chefökonomen, geht's hier um die Deutsche Bank? Das ist doch bizarr. Der AWD hat ganz andere Aufgaben zu schultern."
Rürups Knowhow stellt der Insider nicht Frage. Es sei immer gut, über zusätzliche Expertise zu verfügen. Doch daran dürfte es einem großen Finanzvertrieb wie AWD, der mit vielen anderen Experten zusammenarbeite und eine gute Kundenberatung auf seine Fahnen geschrieben habe, ohnehin nicht fehlen, sagt einer. Ein anderer meldet Bedenken an: "Ich bin da skeptisch. Er ist vom Denken her ein Beamter. Wenn Beamte absatzträchtige, kundennahe Produkte entwerfen sollen, läuft es mir bei diesem Gedanken kalt den Rücken runter."
"Reputation nach außen, Motivation nach innen"
Und die neuen Wachstumsmärkte im Osten, die AWD mit Hilfe von Rürups internationaler Reputation glaubt leichter erschließen zu können? Auch dieser Argumentation wollen die Beobachter nicht folgen: "Dieses Russland- und China-Gedöns vernehmen wir jetzt seit ein paar Jahren vom AWD. Immer dann, wenn es operativ schlecht läuft, zieht man diese Karte, unterstreicht seinen Expansionswillen nach Osten." Tatsächlich dürfte Rürups Arbeit bei AWD vor allem eine Funktion erfüllen: "Reputation nach außen und Motivation nach innen."
Ein intimer Kenner des deutschen Finanzvertriebes stimmt dem zu: "Strukturvertrieb hat viel mit Show und Motivation zu tun. Verkäufer werden in einem Saal zusammengepfercht, und dann steigt die Party. Wenn man da große Namen präsentieren kann, geht der Verkäufer mit stolz geschwellter Brust nach Hause, legt sich beim Kunden am nächsten Tag gleich doppelt ins Zeug."
Ob nun im Großen oder im Kleinen, auf das Orchestrieren von Mitarbeiter-Happenings dieser Art verstehe sich Maschmeyer vorzüglich, bescheinigen ihm die Insider. "Er beherrscht die ganze Klaviatour wie kein anderer."
Zu beobachten zuletzt vor wenigen Tagen im Düsseldorfer ISS Dome, bei "Deutschlands größtem Erfolgskongress". Nach dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton tritt der eher nüchtern wirkende Rürup auf. "Der unabhängigen Finanzberatung gehört die Zukunft", ruft er tausenden AWDlern zu. Begeisterte Zurufe, tosender Applaus - einer in der Menge nickt zufrieden mit dem Kopf. Das Investment hat sich gelohnt, scheint sein Gesichtsausdruck zu verraten.
Ob man das bei der Swiss Life auch so sieht, muss sich noch erweisen. Bereits in der kommenden Woche fliegt Rürup nach Zürich, wird dort vor dem Verwaltungsrat und der Konzernleitung ein Referat halten.
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