München - Der 51-Jährige wird wohl der erste Bankmanager sein, für den die von der Bundesregierung verordnete Gehalts-Obergrenze von 500.000 Euro für Manager notleidender Banken gilt. Seinen Job aber wird er im Gegensatz zu manch anderem der 19.000 BayernLB-Mitarbeiter erstmal behalten. Während Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) angesichts des neuen Milliardenlochs der BayernLB seinen Rücktritt ankündigte, stand ein Abtritt von Kemmer am Dienstag trotz massiver Kritik aus der Politik nicht zur Diskussion.
Zu einer Entschuldigung hatte sich Kemmer bei seinem Auftritt am Dienstagabend nicht durchringen können. Erschöpft und blass trat er nach stundenlangen Beratungen vor die Mikrophone, um den Kapitalbedarf von insgesamt 6,4 Milliarden Euro einzuräumen. Er sei aber ein nüchterner Mensch, machte Kemmer klar. "Es stellt sich die Frage, ob eine mehr oder weniger theatralische Entschuldigung etwas nützt". Insgesamt sei die BayernLB gut aufgestellt. In der Politik sorgte dieser Auftritt erneut für Unmut, nachdem Kemmer die Spitzen von CSU und FDP in Bayern schon am Wochenende mit unklaren Äußerungen über den tatsächlichen Finanzbedarf geärgert hatte.
"Ich bin ja genauso enttäuscht, dass Bankmanager, die sehr viel mehr Verstand haben als ich, weil sie ein Mehrfaches verdienen, nicht in der Lage sind, eine Größenordnung anzugeben", kritisierte Ministerpräsident Günther Beckstein. Rückendeckung bekam Kemmer vom bayerischen Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser, der eine Diskussion, über die Frage, wer wann was gewusst habe, im Bayerischen Rundfunk als "idiotisch" bezeichnete. "Weil man nie weiß, wie sich die Märkte entwickeln". Den Sparkassen gehört die Hälfte der BayernLB, die andere der bayerischen Staatsregierung.
Forderungen nach einem Rücktritt Kemmers wurden nicht laut. "Es ist allen klar, dass die Probleme der BayernLB sich nicht durch einen schnellen Wechsel der Vorstandschef lösen lassen", sagte der Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Kemmer ist erst seit knapp acht Monaten im Amt, für das alte Geschäftsmodell der BayernLB mit ihren weltweiten Aktivitäten könne er daher nicht verantwortlich gemacht werden.
Als die BayernLB sich immer weiter ausdehnte, war der studierte Betriebswirt noch als Vorstand für Risikomanagement bei der benachbarten HypoVereinsbank tätig. Dort schied er Ende 2005 aus und wechselte im Jahr 2006 zur BayernLB. Als sein Vorgänger Werner Schmidt über eine Informationspanne stürzte, übernahm er am 1. März 2008 den Chefposten.
Er wird nun dafür sorgen müssen, die zu groß gewordene Bank wieder auf Normalmaß gesund zu schrumpfen um das Überleben damit langfristig zu sichern. Dem Sparkurs dürften zahlreiche Arbeitsplätze zum Opfer fallen, auch die Gehälter der Angestellten sieht die Gewerkschaft ver.di in Gefahr. "Wir vermuten, dass sowohl die Landesbank als auch die Sparkassen ihre Angestellten bluten lassen werden", sagte Klaus Grünewald, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen bei Verdi Bayern. Die Gehaltskürzung für die Spitzenverdiener der BayernLB ist schon beschlossene Sache: Der Verwaltungsrat kündigte Gespräche über die künftige Gestaltung der Bezüge mit dem Vorstand an.
manager-magazin.de mit Material von dpa
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