Von Helmut Reich
Zu den wichtigsten Handelspartnern Kubas nach Venezuela gehören China, Spanien, die Niederlande, Kanada und die USA. Doch für viele ausländische Unternehmen ist es weiterhin schwer, in Kuba Fuß zu fassen: "Die Joint-Venture-Verhandlungen sind so kompliziert, dass viele Konzerne wieder abspringen", so Seifert über Probleme mit den Behörden vor Ort.
Doch es liegt mehr als ein Hauch Wechselstimmung in der karibischen Luft: Als die schwere Erkrankung Fidel Castros im Sommer 2006 bekannt wurde, verhielt sich die Bevölkerung noch still. 2007 ging Bruder Raúl, mittlerweile neuer Staatspräsident, dann in die Offensive und rief die Bevölkerung zu Verbesserungsvorschlägen auf. Und immerhin, es gab seitdem einige "Make-up-Maßnahmen": So dürfen Kubaner nun leichter ausreisen - zumindest in der Theorie, denn die Kosten sind für die meisten Einwohner weiterhin nicht bezahlbar. Ähnliches gilt für den mittlerweile erlaubten Kauf von Autos oder den Besuch von Touristenhotels.
Auch Privatrestaurants gibt es seitdem auf der Insel - mit strengen Auflagen: Höchstens zwölf Gäste dürfen dort empfangen werden. Und die Steuerzahlung ist festgelegt, unabhängig vom tatsächlich gemachten Umsatz. "Raúl Castro möchte Änderungen innerhalb des Systems, aber kein neues System. Eine Umwandlung nach dem Vorbild Chinas wünsche ich den Kubanern allerdings nicht, denn das würde zu weiteren sozialen Ungerechtigkeiten führen", sagt Seifert.
Was nach der absehbaren Ära der Brüder Castro kommt, weiß niemand. Doch das Interesse vieler Länder am kubanischen Markt ist bereits jetzt riesig: "Es fehlt quasi an allem, sie könnten dort alles verkaufen", berichtet Seifert.
Auch der alte Verbündete hat seit Kurzem sein Interesse an Kuba wiederbelebt: Russland will laut einer aktuellen Meldung die kubanische Armee bei der Luftverteidigung unterstützen. Dazu besuchte eine Militärdelegation aus Moskau die vor der US-Küste liegende Insel. Dies solle der "Stärkung der Beziehungen zwischen den russischen Streitkräften und der Revolutionären Volksarmee Kubas" dienen. Wirtschaftliche Gründe dürften für diese Maßnahme auch eine Rolle spielen. Seifert kennt die Hintergründe: "Am Golf von Mexiko will Russland zusammen mit Kuba nach Erdöl suchen - ein Abkommen zum Ärger der USA wurde bereits unterzeichnet."
© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH