Von Helmut Reich
Hamburg - Zigarren spielen beim Gedanken an Kuba eine große Rolle. Von daher war das Ambiente zum Vortag über den karibischen Inselstaat passend gewählt: Die Hanse Lounge in Hamburg beherbergt einen großen begehbaren Humidor, gefüllt mit den herrlichsten Zigarren. Auch Referent Frank Seifert verheimlichte seine Liebe zur gepflegten Zigarre nicht, lugte diese doch schon während seines Vortrags vor den Mitgliedern der manager-lounge verlockend aus der Jacketttasche hervor.
Doch das sollte nur die Belohnung am Ende des Tages sein. "In der kubanischen Wertschöpfung spielt die Zigarre nur eine ganz kleine, untergeordnete Rolle", berichtet Rechtsanwalt Seifert, der auch Präsident der Deutsch-Kubanischen Juristenvereinigung ist. Zunächst sollte es also vor allem um die Politik und die Wirtschaft des Landes gehen.
"Kuba hat in den letzten 50 Jahren das Augenmerk der Weltöffentlichkeit in erheblichem Maße auf sich gelenkt – ein wenig überproportional im Hinblick auf die Größe der Insel mit ihren nur gut elf Millionen Einwohnern", so Seifert. Doch die Geschichte des Landes ist bekanntlich besonders bunt und ungewöhnlich. Staatschef Fidel Castro, die räumliche Nähe zu den USA und zugleich die sozialistische Umarmung durch Russland haben das Land und seine Außenwahrnehmung geprägt.
"Reich an Bodenschätzen, verfügte Kuba lange Zeit auch über eine überdurchschnittlich ausgebildete Bevölkerung und damit hervorragendes Arbeitskräftepotenzial – grundsätzlich beste Voraussetzungen", sagt Seifert. Doch das Auseinanderbrechen der Sowjetunion, die Kuba 40 Jahre lang politisch und finanziell unter die Arme gegriffen hatte, führte zum völligen Zusammenbruch der kubanischen Wirtschaft. "Diese Zeit wird seitdem als 'período especial' bezeichnet", so der Landeskenner.
Nur langsam kommt Kuba durch eine vorsichtige wirtschaftliche Öffnung für westliche Unternehmen aus dieser Krise heraus. "Gleichzeitig wird noch immer die Fahne des Sozialismus hochgehalten", so Seifert mit Blick auf die massive finanzielle Unterstützung durch das seit Ende der 90er Jahre eng befreundete Venezuela.
Hugo Chávez, Venezuelas Staatspräsident, führt Kuba als Mitglied der Organisation Petrocaribe als einen seiner Hauptwirtschaftspartner. Er unterstützt das Land mit Erdöllieferungen unter dem Weltmarktpreis - in einem so großen Umfang, dass Kuba die Überschüsse sogar gegen Devisen wieder verkaufen konnte. Andererseits ist Venezuela laut Seifert auch für die Abwerbung von etwa 6000 Ärzten verantwortlich, die nun in Kuba fehlen.
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