Wer ins Ausland geht, der rechnet mit Eingewöhnungsschwierigkeiten oder mit einem Kulturschock. Schon wegen der Sprache und anderen Gepflogenheiten. Womit er nicht rechnet: Die Rückkehr nach Deutschland ist oft viel schwieriger als der Gang ins Ausland selbst. "Nicht mehr gebraucht zu werden", nennt Jutta Boenig von Boenig Beratung in Überlingen einen der häufigsten Gründe, die Rückkehrer in die Krise stürzen können.
Es ist nicht der einzige. Oft scheitert der nach dem Auslandsaufenthalt erhoffte Karrieresprung an Planlosigkeit. "Viele Unternehmen senden den Mitarbeiter ins Ausland, ohne sich zu überlegen, wie ihr Mitarbeiter die gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse nach der Rückkehr einbringen kann", weiß Julia Funke, Expatriate-Beraterin in Frankfurt am Main. "Im Extremfall hat der Mitarbeiter keinen Schreibtisch mehr und kein Projekt."
Auch im Normalfall fühlen sich Rückkehrer zumindest anfangs oft missachtet und beengt. Plötzlich müssen sie wieder für jeden Bleistift einen Antrag ausfüllen und langatmig Entscheidungen diskutieren. Und können nichts damit anfangen, dass sie über den Tellerrand geschaut sowie interkulturell zu kommunizieren und improvisieren gelernt haben. Und überhaupt viel zu sagen gehabt haben, auch privat. "Haushälterin und Chauffeur sind ja in vielen Ländern Standard", so Boenig. "'Im Ausland ein Fürstchen, zu Hause ein Würstchen', sagen viele Expatriates", berichtet Funke.
Also sprach der Boss: "Das ist Ihre Chance"
Wer die Chance hat, ins Ausland zu gehen, sollte daher im eigenen Interesse einen kühlen Kopf behalten. "Gerade junge Leute lassen sich von der Perspektive oft vorschnell begeistern", sagt Boenig. "Denen erzählt der Chef dann: 'Das ist Ihre Chance' und 'Sie werden danach bestimmt nicht arbeitslos'." Die Perspektiven für die Rückkehr sollten Unternehmen denn schon konkreter formulieren, fordert Funke. So konkret es eben geht, denn ganz sicher "weiß man heute nie, ob das Unternehmen, der Bereich oder die Abteilung nicht nach zwei oder drei Jahren verkauft ist."
Boeing sagt: "Es ist eben ein Unterschied, ob das Unternehmen schreibt, man bemühe sich, eine angemessene Position zu finden, oder ob es heißt, eine Position mit bestimmten Voraussetzungen wird unter bestimmten Bedingungen gewährleistet."
Für eine gute Idee hält Funke, sich im Zweifelsfall Rat von einem Rechtsanwalt zu holen, der mit Mitarbeiterentsendungen vertraut ist. In jedem Fall sollte man vor seiner Entscheidung zu einem Auslandsaufenthalt Kontakt zu Heimgekehrten knüpfen. Denn "wer ins Ausland will oder soll, sollte sich ruhig mal anschauen: Ist man stolz auf die, oder haben die nach ihrer Rückkehr nichts zu melden?", empfiehlt Funke. Große Unternehmen organisieren die Mitarbeiterentsendung ihrer Erfahrung nach oft ziemlich gut - mit Mentoren- oder Patenschaftsprogrammen, eigenen Web-Portalen für die Expatriates bis zum Coaching für die ganze Familie.
"Wir denken immer schon an die übernächste Station, wenn wir einen Mitarbeiter ins Ausland versetzen", erklärt Ralf Kurschildgen, Personalleiter der Axa Versicherung in Köln. "Wir achten darauf, dass das Thema, das der Mitarbeiter im Ausland bearbeitet, möglichst sinnvoll an seine bisherige und auch an seine spätere Tätigkeit anknüpft."
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