Von Marie Blöcker
"Eine Welt voller echter Lohas"
Uwe Nixdorff vom European Prevention Center sieht den Schwerpunkt auf der Gesundheit - dabei ist es die "nachhaltige Gesundheit", die er gern im Fokus sehen würde. "Nachhaltigkeit besteht auch darin, dass wir etwas mehr unseren Genen gemäß leben, die etwas älter sind als das Computerzeitalter. Wir bewegen uns zu wenig, frönen bei der Ernährung viel zu vieler Kohlenhydrate und gesättigter Fette und befinden uns im (Dys-)Stress, der mit unseren biologischen Reaktionen nicht reguliert wird", sagt er.
Oliver Viest von der Kommunikationsagentur em-faktor hat sich aus Marketingsicht mit der Zielgruppe der Lohas beschäftigt: "So wie ich die bisherigen Untersuchungen interpretiere, spielt die eigene Gesundheit zwar eine wichtige Rolle, aber das reicht bei weitem nicht, um adäquat über das Phänomen zu sprechen. Die Lohas zeichnen sich vielmehr durch ein Bewusstsein für die Zusammenhänge des modernen Alltags und einen gewisses Veränderungs- und Handlungsbedürfnis aus."
Christian Stegemann hat starke Berührungspunkte mit der Zielgruppe, denn sein Unternehmen Innocent stellt Getränke für genau diese Personen her: "Bei den so genannten Lohas handelt es sich um Personen, die sowohl nachhaltig als auch hedonistisch denken und handeln. Nun ist es chic, Biojoghurt einzukaufen und Modemarken wie American Apparel steigen im Ansehen, weil sie Biobaumwolle einsetzen", so Stegemann.
Viele Unternehmen haben das Potential dieser Zielgruppe früh erkannt und auf die Nachfrage reagiert. Wolfgang Griepentrog, Leiter der Konzern-PR bei Metro
hält die Zielgruppe für "interessant, aber nicht überzubewerten und vor allem immer im größeren Kontext des Verbraucherverhaltens zu betrachten. Schließlich hängt es von vielen Facetten ab, von der persönlichen Überzeugung bis zur jeweiligen Verfassung."
Kommunikationsexperte Viest fasst die Diskussion zusammen: "Ob die Gruppe nun eine Erfindung von profilneurotischen Trendforschern ist oder ein echter gesellschaftlicher Trend, ist eigentlich egal. Denn wenn wir, die Verantwortlichen in den Unternehmen, an diesen Trend von mehr Ganzheitlichkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit glauben und ihn mit unserem Handeln verstärken, kann er eine normative Kraft, eine self-fulfilling prophecy, sein. Und welche gesellschaftliche Vision ist schöner als eine Welt voller 'echter' Lohas?"
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