Von Karsten Langer
mm.de: Ihre Konsequenz aus der Zwickmühle?
Jansen: Ich erzähle natürlich auch Geschichten, von abstürzenden Zeppelinen, der daraus 1908 entstandenen und uns absichernden Zeppelin-Stiftung, von Pionieren, von den heutigen Uniberatern Humboldt und Nietzsche und so weiter. Bis irgendwann die Finanzierung als uninteressant gilt, und man deswegen selbst finanziell fördert. Eine Geschichte erzählen, das ist heute eine der Hauptanforderungen, die an einen Manager gestellt werden. Deswegen sollten sie sich auch viel Zeit für ihre Kinder nehmen, das ist das ideale Trainingslager.
Jansen: Gut, dann eine persönliche Geschichte über eine Geschichte. Anfang 1999 habe ich die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page in der Bibliothek in Stanford getroffen. Die haben sich dauernd lautstark um den richtigen Algorithmus gestritten, und ich dachte noch: Das sind richtige Mathematiker, die wollen was rechnen, die machen absurde Dinge, die keiner braucht. Dann ging Google live, und ich hörte die Studenten - und zwar nach wenigen Tagen auch meine eigenen in Deutschland - sagen: "Das ist echt ein coole Suchmaschine."
Warum, wollte ich wissen. Die Antwort: "Google ist total schnell." Das war aber damals bei langsamen analogen Modems kein wirklich schlagendes Argument. Aber dann hieß es: "Die haben die besseren Suchergebnisse." Diese Geschichte haben die Google-Gründer über ihren besseren Algorithmus erklärt. Das hat aufgrund der Nichtnachprüfbarkeit und der Trivialität des Layouts - das selbst eine Legende ist - funktioniert. Ob nun Google böse ist oder nicht, das wiederum ist eine andere Geschichte.
mm.de: Was ist das Besondere an einer guten Geschichte?
Jansen: Ich glaube, dass die Managementlehre in den vergangenen Jahrzehnten extrem an ihrem anwendungsorientierten Erfolgsrezept gelitten hat: voreilige Trivialisierung. Eine gute, also weitererzählbare Geschichte entsteht hingegen aus einer ordentlichen Komplexität von Beobachtungen und wirkt dann im Ergebnis sehr einfach, nacheilend trivial, weil sie begeistert.
Eine gute Geschichte funktioniert wie ein Brühwürfel. Man kann sie mitnehmen und sie in einem anderen Gespräch wieder ins Wasser werfen und sie gibt sofort wieder eine fantastische Suppe. Der Harvard-Soziologe Harrison White hat es präzise formuliert: "Märkte sind eigentlich Gespräche und leben von Angebot und Nachfrage: von guten Geschichten."
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