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04.04.2008
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Deutschlands Elite

Macht, Moneten, Minderleister

Von Katrin Schmiedekampf

3. Teil: "Das Geld war ungemein verlockend"

Frage: Sie haben sich in das Auswahlverfahren von McKinsey eingeschlichen und bekamen dort schließlich einen Job angeboten. Wieso haben Sie abgesagt?

Friedrichs: Ich habe kurz überlegt, ob ich es mache, mir sogar zwei Wochen Bedenkzeit genommen. Das Geld war ungemein verlockend. Außerdem fand ich es toll, das Aufnahmeverfahren geschafft zu haben. Aber ich wollte ja eigentlich nie Unternehmensberaterin werden - ich habe ja nur mitgemacht, um zu recherchieren. Es wäre einfach kein Beruf gewesen, der mir Spaß gemacht hätte. Ich hätte große Probleme mit dem Inhalt der Arbeit gehabt. Und damit, mir genau vorschreiben zu lassen, was ich tun und was ich lassen soll.

Frage: Sie haben ein Jahresgehalt von 65.000 Euro ausgeschlagen - werden Sie sich eines Tages darüber ärgern?

Friedrichs: Das kann ich noch nicht sagen. Bisher war es die richtige Entscheidung. Aber es geht mir auch nicht wirklich schlecht, ich arbeite als freie Journalistin und konnte immer meine Miete zahlen. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann denke: "Ach Mist, hättest du das mal gemacht."

Frage: Was werfen Sie McKinsey eigentlich vor?

Friedrichs: Ich werfe dem Unternehmen nicht vor, was es tut. Ich glaube, dass es auch für Unternehmensberatungen eine Daseinsberechtigung gibt. Aber ich glaube, dass es falsch ist, wenn die Kriterien, nach denen sie arbeiten, auch auf andere Bereiche angewendet werden. Wenn es darum geht, den Staat, Krankenhäuser oder Unis zu beraten, darf es einfach nicht nur um Effizienz gehen.

Frage: Bei Ihren Recherchen haben Sie einen Iraner getroffen, der dank eines Stipendiums auf einer Eliteuni gelandet ist. Warum ist dieser Weg okay?

Friedrichs: Der Iraner war der Einzige, der auf einer Eliteuni war und das infrage gestellt hat. Das hat mich überrascht. Denn er war jemand, bei dem ich verstanden habe, dass man sagt: "Er ist Elite." Er hat sich ganz nach oben gekämpft, die anderen nicht nur eingeholt, sondern sogar überholt. Doch gerade dieser Mann hatte die größten Probleme damit, sich zur Elite zu zählen. Er hatte das Gefühl, dass dieser Begriff benutzt wird, um sich von anderen abzugrenzen.

Frage: Was genau wollen Sie mit Ihrem Buch erreichen?

Friedrichs: Ich fände es gut, wenn man den Satz "Wir brauchen Eliten" nicht so unreflektiert benutzen, sondern sich fragen würde: Was soll das eigentlich bedeuten? Und welche Konsequenzen hat es, wenn wir bestimmte Leute fördern, ihnen mehr Chancen geben, mehr Rechte einräumen? Wollen wir das? Wenn ja - nach welchen Kriterien wählen wir diese Leute aus? Das sollte diskutiert und gemeinsam festgelegt werden. Ich habe das Gefühl, dass das Verfahren bisher nicht sehr transparent ist.

Das Interview führte Katrin Schmiedekampf, SPIEGEL ONLINE

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