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04.04.2008
 

Deutschlands Elite

Macht, Moneten, Minderleister

Von Katrin Schmiedekampf

Hart zu sich selbst, hart gegen andere: Julia Friedrichs tauchte ein in ein Paralleluniversum, in dem sich die Manager von morgen zu Gewinnern formen lassen. Im Interview spricht die Autorin über Eliteunis, das Stigma Minderleister - und den Tag, an dem sie 65.000 Euro Einstiegsgehalt ausschlug.

Frage: Deutschland braucht Eliten - was haben Sie gegen diesen Satz einzuwenden?

Friedrichs: Nachdem ich dem Begriff ein Jahr lang hinterhergefahren bin, finde ich ihn sehr unpräzise. Er kann alles meinen. Dass Deutschland sich darum kümmern muss, die besonders Talentierten zu fördern, dass diejenigen das Sagen haben, die schon immer das Sagen hatten - oder dass sich gute Chancen durch Geld erkaufen lassen. In Deutschland werden Menschen gebraucht, die Ideen haben, die auch mal quer denken und Sachen infrage stellen. Ich bezweifle, dass diese Leute sich selbst zur Elite zählen würden. Und umgekehrt glaube ich, dass diejenigen, die sich Elite nennen, das Land nicht unbedingt voranbringen.

Zur Person
© Gerrit Hahn
Julia Friedrichs, 28, meldete sich für eine Recherche zum Aufnahmetest bei der Unternehmensberatung McKinsey an - und wurde genommen. Den Job mit einem Jahresgehalt von 65.000 Euro schlug die freie Journalistin und Autorin aber aus. Der Begriff Elite ließ sie nicht los, sie schrieb das Buch "Gestatten: Elite".
Frage: Sie haben eine Reihe von privaten Eliteunis besucht. Was ist falsch daran, dort zu studieren?

Friedrichs: Überhaupt nichts. Dort gibt es viel bessere Lernbedingungen als an staatlichen Einrichtungen. Aber die Plätze werden nicht nur nach Leistung vergeben, sondern es geht auch immer ums Geld. Daher bewerben sich relativ wenig Leute. 10.000 Euro Gebühren im Jahr - das kann sich eben kaum jemand leisten.

Frage: In Ihrem Buch stellen Sie die Frage, wie man Elite wird. Welche Antworten haben Sie gefunden?

Friedrichs: Wenn man Elite damit gleichsetzt, dass jemand Karriere macht, glaube ich, dass viele, die ich getroffen habe, es schaffen können. Bei meiner Reise habe ich Institutionen besucht, die sagen: "Wir formen Elite." Da bekommen die Schüler und Studenten bessere Chancen, mehr Aufmerksamkeit, später mehr Geld. Und Elite heißt, man hat schon früh die richtigen Netzwerke. Wenn jemand von außen versucht, in diese Zirkel hineinzukommen, muss er sich viel mehr anstrengen und braucht Glück.

Frage: In Ihrem Buch erzählen Sie auch von einem Vater, der 400 Kilometer fährt, um seinen Sohn zum Campus Day einer Eliteuni zu bringen. Dürfen Eltern ihre Kinder nicht unterstützen?

Friedrichs: Ich kannte es einfach nicht, dass die Eltern bei der Berufswahl so involviert sind. Bei mir und meinen Freunden war das anders, wir wollten selbst entscheiden und unsere Eltern möglichst raushalten. Aber ich verstehe jeden, der seinen Kindern bessere Möglichkeiten erkaufen möchte. Am staatlichen System gibt es sicher viel auszusetzen. Es wird natürlich dann ein Problem, wenn der Erfolg der Kinder von den Finanzen der Eltern abhängt.

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