Von Simon Hage
mm.de: Wie kann man die Marktchancen für eine Idee realistisch einschätzen?
Asgodom: Im Internet lässt sich ganz einfach abchecken, welche Dienstleistungen in anderen Ländern angeboten werden. Man sollte zuerst einen Blick auf die neuesten Geschäftsideen in den USA werfen. Denn die Vereinigten Staaten sind uns immer drei bis vier Jahre voraus. Dann sollte man möglichst viele Gespräche mit Freunden und Kollegen führen - oder einfach Unbekannte auf der Straße ansprechen. So gewinnt man wertvolle Eindrücke, ob die Idee ankommt.
Es gibt viele ungewöhnliche Dienstleistungen, mit denen Sie eine hohe Rendite erzielen könnten: beispielsweise Karriereberatung für begabte Schüler, Hochzeitsplanung für große Gesellschaften. Oder die Vermittlung von Arztpraxen an Mediziner und umgekehrt.
Letztlich muss man herausfinden, ob es ähnliche Angebote bereits gibt. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, nur exklusive Neuheiten führten zum Erfolg. Immer dann, wenn eine Idee völlig einmalig ist, sollte man sehr genau nachrechnen. Denn möglicherweise gibt es schlichtweg keinen Markt dafür.
mm.de: Wie viel Zeit muss man einkalkulieren, um das eigene Geschäft zum Laufen zu bringen?
Asgodom: Ich empfehle stets die Strategie des langsamen Einschleichens. Man sollte nicht den festen Job hinschmeißen und von heute auf morgen das eigene Unternehmen starten. Mein Rat: Machen Sie weiterhin Ihren Job. Wenn möglich, reduzieren Sie ihn ein wenig - vielleicht um einen Tag pro Woche. Nebenbei können Sie die neue, eigene Tätigkeit schon einmal beginnen. Recherchieren Sie, gehen Sie auf Messen, stellen Sie Experten Ihre Idee vor! Damit verhindern Sie einen überstürzten Startversuch und ein frühzeitiges Scheitern.
mm.de: Statistiken zufolge meldet rund die Hälfte der Gründer ihr Gewerbe nach fünf Jahren wieder ab. Wie lässt sich das Risiko der Pleite minimieren?
Asgodom: Ein häufiger Anfängerfehler besteht darin, das Geld gleich zu Beginn zum Fenster rauszuwerfen. Wer sich sofort ein viel zu geräumiges Büro mietet und einen 7er-BMW kauft, hat ein Problem. Neben einer gewissen Sparsamkeit ist es wichtig, immer wachsam und selbstkritisch zu bleiben. Man darf sich nicht von Anfangserfolgen blenden lassen. Triumph macht leichtsinnig. Eine meiner Kundinnen hat schlicht damit aufgehört, neue Kunden zu akquirieren, weil das Geschäft so gut lief. Dann sind drei Bestandskunden weggebrochen, und plötzlich war die Krise da.
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