MBA
Riskante Wette, hoher Einsatz
Von Markus Scheele
Business Schools und Universitäten werfen immer neue MBA-Angebote auf den Markt. Was taugt der schmucke, aber teure Titel? Inzwischen ist der MBA ein nettes Extra, keine Karrieregarantie - und Abschlüsse aus Deutschland spielen bei Einstellungen kaum eine Rolle.
Ein paar Bilder an der Wand, grelles Neonlicht, Tische, Stühle. Thomas Heißmeyer und seine Kommilitonen haben mal wieder die halbe Nacht im kargen Seminarraum verbracht. Mit Hilfe von Flipchart und PowerPoint sinnierten sie darüber, wie es wirtschaftlich weitergehen könnte mit dem iPod Nano. Eine Woche hatten sie Zeit, um das Marketing der Firma Apple gründlich zu überdenken. Ist es zum Beispiel sinnvoll, dass die heruntergeladene Musik nur auf Geräten mit dem angebissenen Apfel zu hören ist?
International anerkannt, in Deutschland zweitrangig: "Der MBA ist längst kein Türöffner mehr"
Die Antwort ("Eher nicht") musste hart erarbeitet und gut begründet werden. "Es geht ja darum, etwas zu lernen", sagt Thomas Heißmeyer. Der 31-Jährige gehört zur jüngsten Abschlussklasse der Leipziger HHL, einer Schule, die zum "Master of Business Administration" (MBA) ausbildet. Heißmeyer hat schon einmal studiert, Geschichte, Politik und Kommunikationswissenschaften. Er hat in Organisationen und Agenturen gearbeitet. Und dort immer wieder mit denselben Problemen gehadert: Bilanzen lesen, Gewinn- und Verlustrechnungen verstehen. Irgendwann hatte er keine Lust mehr, die Buchhalter zu fragen. Er wollte es selbst können. Deshalb beschloss er, noch einmal die Schulbank zu drücken.
Inflation an MBA-Titeln
In Leipzig und anderswo wirbt man damit, dass der MBA für Höheres qualifiziert, bessere Posten und ein höheres Gehalt verschafft. 85.000 Dollar im Jahr bekomme der internationale Durchschnittsabsolvent als Startgehalt, schätzt das amerikanische "Graduate Management Admission Council", ein Lobbyverband von Business-Schulen aus aller Welt. Damit verdiene er im Schnitt 25.000 Dollar mehr als ein Akademiker ohne diesen Titel. Manchmal sei sogar ein schicker Firmenwagen drin.
Der MBA
[M]DPA,mm.de
Der Master of Business Administration (MBA) ist ein sogenannter postgradualer Studiengang. Das bedeutet, dass sich nur Akademiker auf diese Programme bewerben können. Oft wird eine mehrjährige Berufserfahrung gefordert.
MBA-Programme gibt es entweder als Vollzeitstudium oder berufsbegleitend als Teilzeit- oder Fernstudium. Ein Vollprogramm dauert zwischen 10 und 19 Monate, ein Teilzeitstudium mindestens 10 und maximal 36 Monate.
Die meisten Programme in Deutschland kosten über 10.000 Euro, ein Viertel sogar mehr als 20.000 Euro. Der Abschluss soll entweder den Wechsel in eine andere Branche begünstigen oder aber neue Positionen im Management ermöglichen. Deshalb wenden sich MBA-Programme traditionell an Naturwissenschaftler, Ingenieure oder auch Geisteswissenschaftler, damit sie sich die nötigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse aneignen können.
Wer sich als Absolvent eines deutschen MBA-Programms mit solchen Erwartungen bei hiesigen Firmen bewirbt, wird enttäuscht. "Der MBA ist längst kein Türöffner mehr", sagt Matthias Mohr, Gesellschafter bei der Personalberatung Heimeier & Partner. "Das war ja einmal ein Wunderwort", erinnert sich Mohr. Inzwischen sei der MBA nur noch ein nettes Extra, mehr nicht.
Eine Studie der Universität Dortmund stützt diese Einschätzung: Der Titel sei nicht so karrierefördernd wie oft behauptet. Unternehmen der Region Rhein-Ruhr gaben zu Protokoll, dass sie dem Abschluss keine hohe Relevanz einräumten. Uwe Wilkesmann, Managementprofessor in Dortmund, fasst zusammen: "Die personalverantwortlichen Unternehmensvertreter sehen im MBA kein bedeutsames Merkmal hinsichtlich der Neueinstellung, der Beförderung sowie der Festlegung der Vergütung eines Mitarbeiters."