Wirtschaftskrimi mit offenem Ende
Das Gericht folgte dieser Linie nicht und wies den Antrag vor Eröffnung des Verfahrens ab. Schließlich sei Volkert nicht als Manager sondern als Arbeitnehmer eingestellt worden und als solcher zu bezahlen gewesen. Nicht nur die Sonderboni werden im Gericht zur Sprache kommen, sondern noch vieles mehr: An Volkerts brasilianische Geliebte Adriana Barros flossen nach den Ermittlungen knapp 400.000 Euro für Agenturleistungen, die nie erbracht worden seien. Zudem trugen die Staatsanwälte in akribischer Kleinarbeit Belege über rund 290.000 Euro für Geschenke, Reisekosten und Luxushotels zusammen.
Gebauer hat dabei nach Kräften mitgewirkt. Denn anders als Volkert packte er schon früh aus, was er wusste. Der "Sexmanager", wie der Boulevard ihn nannte, organisierte mit Wissen von Hartz die Partys und Lustreisen. Bei ihm liefen die Fäden zusammen, er kannte fast alle, die sich auf VW-Kosten vergnügten.
Als der Skandal aufflog und Gebauer fristlos entlassen wurde, nutzte er sein Wissen und riss seine früheren Kollegen reihenweise mit sich. Er selbst habe nur auf Weisung gehandelt, wiederholte er. Für die Justiz wurden Gebauers Aussagen eine ergiebige Quelle auf dem Weg, Licht ins Dunkel zu bringen. Ob das Verfahren gegen ihn im Laufe des Prozesses abgetrennt wird, bleibt abzuwarten.
Volkert droht nach Justizangaben theoretisch eine Strafe von bis zu zehn Jahren, Gebauer eine Strafe von bis zu fünf Jahren. Während der geständige Gebauer nach Einschätzung von Beobachtern vermutlich mit einer Bewährungsstrafe als freier Mann aus dem Prozess geht, stehen die Chancen bei Volkert eher schlechter.
Das Urteil soll nach bisheriger Planung am 24. Januar 2008 fallen. Es ist das dritte nach den Richtersprüchen gegen Hartz und gegen den früheren VW-Betriebsrat und SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Uhl, der Mitte Juni zu 39.200 Euro Geldstrafe verurteilt worden war.
Das juristische Nachspiel der Affäre ist mit dem Prozess gegen Volkert und Gebauer noch nicht zu Ende. Von ursprünglich 14 Beschuldigten sind bei sechs Verdächtigen die Ermittlungen immer noch nicht abgeschlossen - darunter die gegen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster, der den Fall erst ins Rollen brachte. Gemeinsam mit Gebauer soll er ein weltweites Netz von Tarnfirmen aufgebaut, Schmiergelder verlangt und hohe Summen auf eigene Konten umgeleitet haben. Der eigentliche Wirtschaftskrimi läuft auf diesem Feld. Und da kommt die Justiz nur langsam voran.
manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und ap
© manager magazin online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH