Von Simon Hage
mm.de: Wie lassen sich akute Burn-out-Probleme lösen?
Sprenger: Wer es nicht mehr schafft, sich innerhalb seines Hamsterrades selbstständig zu regenerieren, muss für eine Weile aus dem Verkehr gezogen werden. Die meisten Patienten kommen hier an und wollen ihre Krankheit genauso schnell bewältigen, wie sie auch durch das Arbeitsleben hetzen. Sie erreichen die Klinik am Freitagnachmittag und wollen bis spätestens Dienstag zum nächsten Meeting wieder gesund sein. Das geht natürlich nicht.
Zunächst einmal müssen die Patienten ihr körperliches Gleichgewicht finden, damit man überhaupt mit ihnen arbeiten kann: Dazu gehört ein gesunder Schlaf, eine medizinische Trainingstherapie und ausgewogene Ernährung. Danach beginnt der psychotherapeutische Teil, der die Ursachen des Burn-outs analysiert. Drittens suchen wir nach Möglichkeiten, die Alltagsroutine am Arbeitsplatz zu verändern.
mm.de: Die Krankenkassen dürften sich wenig zahlungsfreudig zeigen, wenn Führungskräfte zur Erholung in Ihrer Klinik einchecken.
Sprenger: Burn-out selbst ist zwar keine Krankheit im Sinne der "International Classification of Diseases". Aber es ist ein Summenbegriff für viele Symptome, die sich dahinter verbergen: Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Störungen, Depression, Angstzustände, Suchterkrankungen. Das sind Krankheiten, deren Bekämpfung von den Krankenkassen bezahlt werden muss.
mm.de: Und wie reagieren die Arbeitgeber, wenn Beschäftigte sich wochenlang ausklinken und von Ihnen therapieren lassen?
Sprenger: Das ist völlig unterschiedlich. Manche Arbeitgeber sehen sich eher als Verwertungsmaschinerie und lassen ihre Angestellten nur ungern ziehen. Ich denke, solchen Unternehmen wird nicht die Zukunft gehören. Denn eine Vielzahl der Stellen für Hochqualifizierte wird künftig nicht mehr so leicht zu besetzen sein. Der kluge Arbeitgeber achtet darauf, seine wichtigste Ressource zu erhalten: die Mitarbeiter.
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