Von Anja Tiedge
"Ich will nur meinen Frieden"
Ihr Vater traut den Dokumenten offenbar nicht. "Margot führt ein ganz normales Leben, telefoniert zum Beispiel ohne Hörgerät", sagt Fischer senior. Er verleugne die Schwerhörigkeit keineswegs, könne aber den Grad der Behinderung nicht einschätzen.
1999 bekommt sie von ihrem Bruder eine Änderungskündigung, die vorsieht, Margots Vergütung zu halbieren, da sie ihre Arbeit auf eine Halbtagsbeschäftigung eingependelt habe. "Wir hatten schon 1987 mündlich vereinbart, dass ich halbtags arbeite. Nun sollte ich für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen und die Stechuhr nutzen", empört sich Margot.
Ihr Bruder hält dagegen. Dass das Arbeitsverhältnis schließlich aufgehoben wurde, sei auf Margots Wunsch hin geschehen. Die erklärt wiederum, ihr sei zwar bewusst gewesen, dass sie den väterlichen Betrieb aufgrund ihrer Hörbehinderung nicht übernehmen konnte. Trotzdem wollte sie ihren sicheren Arbeitsplatz bis zur Rente behalten. Aussage gegen Aussage.
Die Fronten zwischen den Familienmitgliedern sind nach knapp zehn Jahren erbitterten Rechtsstreits undurchdringlich geworden. Neben ihrer Behinderung und der Kündigung geht es um einen 1984 geschlossenen Notarvertrag, in dem Margot ihren Erbverzicht erklärte, um geschenkte Immobilien, Margots Ausbildung und das Vermächtnis des Artur Fischer.
Was genau den Streit einst auslöste und bis vor das Gericht brachte - ob Missverständnisse, Missgunst oder andere Gründe -, bleibt für den Außenstehenden schleierhaft. "Ich werde dieser Familie nicht mehr beibringen können, dass mein Lebensglück nicht von materiellen Dingen abhängig ist", erklärt Margot Fischer. Um das Vermögen ihres Bruders, das auf 300 Millionen Euro geschätzt wird, gehe es ihr nicht. Auch das Unternehmen, das im vergangenen Jahr mit 493 Millionen Euro ein Umsatzwachstum von 8 Prozent aufwies, interessiere sie nicht mehr.
Wenn Vater Fischer über den Streit spricht, schwäbelt er. So wie er es oft tut, wenn er aufgebracht ist. "Ich will nur meinen Frieden. Sonst gar nichts", sagt er. Er schnappt nach Luft, das Reden fällt ihm in diesem Moment schwer.
In seiner Werkstatt, die zugleich Atelier und Hobbyraum ist, tankt er Energie, wenn ihm der Streit über den Kopf wächst. Dann malt er, vorzugsweise Landschaften. Kreativität bedeute schließlich nicht nur, nützliche Dinge zu erfinden. Die habe auch auf der Leinwand Platz.
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