Von Anja Tiedge
Streit um "Fischerfratze"
Bei Fischerform, einer Art Fischertechnik-Baukasten für Drei- bis Vierjährige, habe es allerdings keineswegs an dem Produkt gelegen, dass es Anfang der 80er Jahre floppte. "Wir haben es zu teuer verkauft", meint er heute. "Unser Verkaufsapparat war auf Dübel fixiert." Über Misserfolge redet er nicht gern, da wechselt er lieber das Thema.
Auf das Nachfolgeprodukt Fischertip, farbige Röllchen aus Kartoffelstärke zum Basteln und Malen, ist Fischer besonders stolz. Zum Verkaufsschlager entwickelt sich aber auch dieses Spielzeug nicht; im Vergleich zu Fischertechnik ist der Bekanntheitsgrad von Tip gering.
Im Lauf der Jahre meldet Fischer zahlreiche weitere Patente an. Wie viele es genau sind, vermag er nicht zu sagen. Beim Patentamt ist er Stammgast, einige Mitarbeiter kennen ihn dort persönlich. "Der Artur ist ein netter, zuvorkommender Mann", sagt einer von ihnen. Überhaupt ist kaum ein böses Wort über Fischer senior zu hören. Die Fischer-Gruppe zählt zu den größten Arbeitgebern der Region. Wenn der Senior in Waldachtal mit dem Auto unterwegs ist, winken ihm die Leute freundlich zu.
Kleine, verletzende Details
Doch die Schwarzwald-Idylle trügt; schon seit etlichen Jahren herrscht dicke Luft im Fischer-Ländle. Der Widerstand kommt aus der eigenen Familie: Tochter Margot fühlt sich von ihrer Familie hintergangen und übervorteilt. Ihrem Frust macht sie nicht etwa hinter geschlossener Tür Luft, sondern auf einer eigens dafür eingerichteten Homepage. So schreit Fischer, die aufgrund einer Hörbehinderung nicht richtig sprechen kann, ihre Wut in die Welt hinaus.
Die 59-Jährige arbeitete jahrelang im Unternehmen ihres Vaters, ab 1963 war sie in der Poststelle tätig. Schon früh zeichnet sich ab, dass ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Klaus die Fischer-Werke übernehmen wird. Als es so weit ist, kommt es zwischen den Geschwistern zu Spannungen. "Als ich meinen Bruder fragte, ob ich seine Schwester oder Angestellte sei, sagte er, '... seine Angestellte'", schreibt sie später auf ihrer Webseite mit dem bezeichnenden Namen "Fischerfratze". Ihr Bruder widerspricht. "Ich verstehe nicht, warum Margot solche Lügen verbreitet", sagt der Unternehmer.
Die Tochter klagt an, Vater und Sohn halten dagegen. Das Prinzip Aussage gegen Aussage hat im Fischer-Streit System. Oft geht es dabei um kleine, verletzende Details. Hinsichtlich ihrer Schwerhörigkeit erhebt Margot jedoch schwere Vorwürfe gegen ihre Familie. "Es ist sehr diskriminierend, dass meine Hörbehinderung verharmlost, verleugnet und jetzt noch schöngeredet wird", schreibt sie. Im Internet hat sie ein Gutachten veröffentlicht, in dem ihr ein Arzt bescheinigt, dass sie an einer hochgradigen, an Taubheit grenzenden Innenohrschwerhörigkeit leidet und deshalb ein Hörgerät trägt.
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