Von Anja Tiedge
Maschine zur Bonbonherstellung
Weil sich mit den Feueranzündern seinerzeit nicht nur Nahrung, sondern auch Geld eintreiben ließ, gründet Fischer 1948 seine eigene Firma. Die Zeiten waren nicht leicht für das kleine Unternehmen aus dem schwäbischen Dörfchen Tumlingen, einem heutigen Ortsteil der Gemeinde Waldachtal im Nord-Schwarzwald. "Wir hatten uns aber auf die Situation eingestellt", sinniert Fischer. Will heißen: Erfindergeist, gepaart mit einem gehörigen Schlag Unternehmertum, sorgten für das nötige Geld, um wiederum neue Produkte zu entwickeln.
"Man muss den Mut haben, das umzusetzen, was man für richtig hält, " erklärt er. Eine ordentliche Portion Disziplin gehöre außerdem dazu, ebenso wie der unbedingte Drang zu wissen, wie etwas funktioniert. Wenn er von dem Moment spricht, in dem ein Produkt fertiggestellt ist, gerät er ins Schwärmen: "Das ist wie eine Erlösung."
Fischer ist merklich stolz auf sein Lebenswerk. Das mag er allerdings nicht zugeben. "Meine Eltern wollten keinen überheblichen Buben. So haben sie mich erzogen."
Anfang der 50er Jahre trägt sein Unternehmen erste Früchte. Schon bald errichtet der Sohn eines Schneiders, der inzwischen selbst Vater von zwei Kindern ist, Filialen in Nachbardörfern.
1958 landet der Tüftler seinen größten Coup: Er erfindet den Spreizdübel aus Kunststoff. Mit der legendären Patentschrift 1.097.117 meldet Fischer seine Ansprüche an einem "geschlitzten, zylinderförmigen Spreizdübel aus Kunststoff" an, "dessen hinteres Ende eine Bohrung zum Einführen einer Befestigungsschraube oder dergleichen aufweist und dessen vorderes Ende am Dübelumfang mit sägezahnförmigen Einschnitten versehen ist". Der Dübel macht Fischer zur Legende. Noch heute ist das kleine Plastikteil in jedem gut sortierten Werkzeugkasten zu finden, mittlerweile wird er weltweit in mehr als 100 Ländern vertrieben.
Erfinder suchen seinen Rat
"Wer erfindet, kann Kind bleiben." Wenn Fischer das sagt, lächelt er verschmitzt. Ein Teil von ihm ist zweifelsohne Kind geblieben. Die Entwicklung von Spielzeug, die ihn immer wieder umtreibt, hat dazu gehörig beigetragen.
Mitte der 60er Jahre beispielsweise, als Fischer den Fischertechnik-Baukasten erfindet. "Schulkinder sollten die Dinge, die sie malen, zuerst begreifen", erklärt Fischer die Idee des Plastikspielzeugs zum Zusammenstecken. Doch der Lehrkörper spielte nicht mit. "Die Pädagogen waren dafür noch nicht bereit", resümiert Fischer heute. Trotzdem mausert sich Fischertechnik wie der Dübel zu einem prestigeträchtigen Produkt. Doch anders als die Befestigungshilfe schreibt das Spielzeug jahrelang rote Zahlen.
"Wenn sich etwas nicht verkauft, muss man sich fragen, ob es am Produkt oder am Vertrieb liegt", rät er Erfindern, die fast täglich seinen Rat suchen. Erst heute ist wieder ein Brief eingetrudelt, von einem Zehnjährigen, der sich eine Maschine zur Bonbonherstellung ausgedacht hat. Eine Skizze, wie das Ganze funktionieren soll, hat er auch beigelegt. "Ein guter Anfang", schmunzelt Fischer. Erwachsene Erfinder tun sich da meist schwerer. "Man muss sich selbst gegenüber ehrlich sein. Dazu gehört manchmal die Erkenntnis, dass eine Erfindung nichts taugt."
© manager magazin Online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH