Von Alexander Zeuner
Hanseatische Verhandlungskunst
Leonhardt ist ein Mann mit Prinzipien. Vor knapp zwei Jahren boykottierten Hafenarbeiter in Hamburg die Entladung des Containerschiffes Cap Lobos. Erst nach stundenlangen Blockaden stimmte er der Unterzeichnung eines Tarifvertrags zu - für die Cap Lobos und die NYK Prestige, die in Japan boykottiert wurde.
Tatsächlich kann der von der Gewerkschaft geäußerte Vorwurf der Tarifflucht nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Reeder können auf ihren Schiffen bestimmte Landesflaggen hissen. Dieses Recht steht ihnen gegen Bezahlung einer sogenannten Registrierungsgebühr zu. Panama, die Bahamas und Liberia zählen zu den beliebtesten Ländern.
Erst mit der Einführung der Tonnagesteuer im Jahr 1999 begannen die Reeder ihre Schiffe wieder unter deutsche Flagge zu stellen. Die neue Gesetzgebung besagt, dass der fiskalisch-relevante Gewinn nicht nach dem tatsächlichen Ergebnis berechnet wird, sondern pauschal nach Schiffsgröße. Die Besteuerung nach Tonnage senkt damit die Abgabenlast. Die Unternehmen können zwischen alter und neuer Regelung wählen.
An der Einführung der Tonnagesteuer war Leonhardt maßgeblich beteiligt. Ganz hanseatisch hat er im Hintergrund, ohne viel Gepolter, gearbeitet. Im Gegenzug hatte er eine Trendwende bei den Ausflaggungen versprochen. Leonhardt hielt Wort. Die angekündigten 100 Schiffe wurden von den Verbandsmitgliedern neu unter deutsche Flagge gestellt.
Das ist Verhandeln mit Methode: Als die Bundesregierung dem Verband noch für 2003 versprach, dass die Sozialabgaben für deutsche Seeleute künftig nicht höher als die der europäischen Kollegen sein werden, kündigte der VDR-Präsident erneut 100 zusätzliche Einflaggungen deutscher Schiffe an. Heute fahren zwölf Schiffe von Leonhardt & Blumberg unter deutscher Flagge, der größte Teil der übrigen Flotte unter liberianischer.
"Er ist ein typischer Hamburger Kaufmann, mit einer internationalen Ausrichtung, der keine Scheu vor Neuheiten hat", sagt Armand Grüntuch, verantwortlicher Projektpartner des Architektenbüros Grüntuch Ernst. Sie haben den Entwurf und die Planung für das neue Firmengebäude am Elbufer gemacht. An der Perlenkette am Hafenrand, wie die exklusive Gegend auch genannt wird, sitzt Leonhardt nun in direkter Nähe zu seinem Reederkollegen Rickmers. Im Herbst 2003 zog Leonhardt mit seinen Beschäftigten in das moderne Gebäude. "Für die 80 Mitarbeiter an Land ist dort auch mehr Platz", hatte er damals gesagt.
Wenn er jetzt aus dem modernen Glaspalast blickt, kann der Reeder Leonhardt von Zeit zu Zeit eines seiner Schiffe beim Einlaufen beobachten. Mit viel Glück auch beim Entladen, dem Löschen, denn direkt gegenüber ist der Containerterminal Burchardkai. Vielleicht war das der Grund für den Umzug nach Neumühlen. "Mit dem Bürogebäude kehrt er ja zu den Wurzeln zurück. Er ist jetzt direkt bei den Schiffen", meint Grüntuch. Selbst wenn er sie nur beim Einlaufen beobachtet.
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