Rio de Janeiro/Moskau - Die brasilianische Justiz hat Haftbefehl gegen den russischen Milliardär, Fußball-Investor und Kreml-Gegner Boris Beresowski erlassen. Wie Medien am Freitag berichteten, wird dem in London lebenden Russen Geldwäsche vorgeworfen. Haftbefehl sei auch gegen die iranischen Beresowski-Partner Kia Joorabchian und Nojan Bedround erlassen worden, hieß es.
Die drei Männer sind unter anderem Inhaber der Investorgruppe MSI, die im Jahr 2004 beim brasilianischen Traditionsverein SC Corinthians São Paulo eingestiegen war. Die MSI-Gruppe erwarb für Corinthians unter anderem die argentinischen Nationalspieler Carlos Tevez und Javier Mascherano, die inzwischen beide in England aktiv sind. Mit ihnen wurde Corinthians 2005 brasilianischer Meister.
Beresowski gilt als einer der reichsten Männer der Welt und ist unter anderem Geschäftspartner von Roman Abramowitsch, der in England den Londoner Spitzenclub FC Chelsea erwarb. Moskau hat mehrfach die Auslieferung Beresowskis wegen versuchten Staatsstreichs beantragt. Die Anträge wurden allerdings von London zurückgewiesen.
Die brasilianische Staatsanwaltschaft teilte laut Medien mit, es gebe "genügend Indizien", die darauf hindeuteten, die Partnerschaft zwischen Corinthians und MSI sei zur Geldwäsche missbraucht worden. Der Anwalt von MSI, Luiz Fernando Pacheco, wies die Vorwürfe gegen die Gruppe als "absurd, willkürlich und ohne jede legale Grundlage" zurück. Angezeigt wurden wegen Geldwäsche auch der Präsident von Corinthians, Alberto Dualib, sowie einige seiner Mitarbeiter und auch brasilianische Unternehmer.
Am Donnerstag hatte vor einem Moskauer Gericht ein Prozess gegen Beresowski wegen Veruntreuung mehrerer Millionen Dollar der russischen Fluggesellschaft Aeroflot begonnen. Beresowski bezeichnete die Vorgänge als politisch motivierte Kampagne des Kremls gegen ihn. "Angesichts der umfänglichen Berichterstattung in den russischen Medien und der Farce eines 'Prozesses in Abwesenheit' habe ich keinen Zweifel, dass die brasilianische Geschichte eine Erweiterung der politisierten Kampagne des Kremls gegen mich ist", schrieb Beresowski in einer Erklärung.
Unter dem Vorgänger von Präsident Wladimir Putin, Boris Jelzin, war Beresowski einer der mächtigsten Kreml-Insider und gelangte zu großem Reichtum. Mit Putin kam es zum Zerwürfnis und Beresowski ging 2000 ins britische Exil. Beresowski war ein Geschäftspartner des in London ermordeten früheren russischen KGB-Agenten Alexander Litwinenko. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, auch andere Länder könnten in Kürze Haftbefehle gegen Beresowski erlassen. Ohne Angabe von Quellen hieß es, dabei handele es sich um "zwei oder drei europäische Staaten".
manager-magazin.de mit Material von dpa und ap
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